Christine Michler, Das Märchen der Märchen: Giambattista Basile

Beiträge, Italienisch

Christine Michler, „Das Märchen der Märchen“, Vorabdruck des Artikels für Romanische Studien.

Das Märchen der Märchen

Christine Michler (Bamberg)

Der Beitrag widmet sich aus fachdidaktischer Perspektive der drei Märchen aus Giambattista Basiles Pentamerone, die Grundlage des Films Racconto dei racconti von Matteo Garrone sind, und schlägt für den Einsatz von Text und Film im Italienischunterricht an Fortgeschrittene einen Fragenkatalog vor.

  • Giambattista Basile, Il racconto dei racconti (Milano: Adelphi, 2010).
  • Giovan Battista Basile, Lo cunto de li cunti, a cura di Carolina Stromboli (Roma: Salerno editrice, 2013).
  • Giambattista Basile, Das Pentameron oder Das Märchen aller Märchen (München: Beck, 1985).
  • Racconto dei racconti, DVD, Regie: Matteo Garrone, Drehbuch: Matteo Garrone, Massimo Gaudioso, Ugo Chiti und Edoardo Albinati, ca. 129 Min. (Italien: Concorde Home Entertainement, 2015)

Während Märchenfilme wie beispielsweise Die zertanzten Schuhe oder Der Froschkönig überwiegend ein kindliches Publikum ansprechen, sind Märchen in ihrer verschriftlichten Form keineswegs nur für diese Zielgruppe bestimmt, und auch Fantasyromane und -filme haben bei Rezipienten unterschiedlichen Alters Konjunktur. Matteo Garrones Film Racconto dei racconti, der für Kinder wohl nur bedingt geeignet ist, verbindet Elemente aus beiden Genres. Er greift auf die einer breiten Leserschaft heute nicht mehr durchweg bekannte Textsammlung Pentamerone des neapolitanischen Schriftstellers Giambattista Basile (1575–1632) zurück und bringt so einen Autor in Erinnerung, dessen Texte großen Einfluss auf spätere Märchensammlungen wie die von Charles Perrault oder von den Gebrüdern Grimm hatten. Trotz der wegweisenden Funktion für die Gattung und der generellen Wertschätzung von Märchen im Literatur- bzw. Fremdsprachenunterricht1 gesteht der Lektürekanon für den Italienischunterricht in bundesdeutschen Lehrplänen, der die literarischen Kenntnisse von Heranwachsenden sicherlich mit prägt, Basiles Märchen keinen Platz zu. Dort konzentriert man sich, abgesehen von Auszügen aus Texten der tre corone fiorentine Dante, Boccaccio und Petrarca, für den Unterricht an Fortgeschrittene, fast nur auf Werke der Zeit vor 1900.2

Die Zurückhaltung beim Einsatz von älteren Texten liegt mit großer Wahrscheinlichkeit zunächst in der grundsätzlich knapp bemessenen Zeit, die im Unterricht des Italienischen, das hauptsächlich als dritte oder als spätbeginnende Fremdsprache angeboten wird, der literarischen Bildung ganz allgemein zugebilligt werden kann, aber auch in der vom Gegenwartsitalienisch abweichenden Sprachform, die vor allem dann nicht immer leicht zu verstehen ist, wenn die Originaltexte, wie Basiles Pentamerone, in neapolitanischem Dialekt verfasst wurden. Dennoch ist es eine reizvolle und durchaus lösbare Aufgabe, Texte aus Lo cunto de li cunti im Italienischunterricht an Fortgeschrittene (ca. 3. Lernjahr) zu behandeln und durch Garrones Verfilmung von drei Märchen aus der Sammlung zu ergänzen.

Lo cunto de li cunti, overo Lo trattenemiento de peccerille wurde unter dem Pseudonym Gian Alesio Abbattutis zwischen 1634 und 1636 von Basiles Schwester posthum veröffentlicht und 1674 in Pentamerone umbenannt. Wie Boccaccio in dem berühmteren Decamerone hält Basile seine Texte durch eine Rahmenhandlung zusammen, die – daher der Titel Lo cunto de li cunti – wiederum ein Märchen über eine Prinzessin namens Zoza ist. Um diese zu erheitern, erzählen zehn Frauen an fünf Tagen fünfzig Märchen. Jede Geschichte beginnt mit einem Rückgriff auf die Rahmenhandlung, wobei Witz und Spannung der vorangegangenen Geschichte gewürdigt werden. Als Überleitung zum neuen Märchen folgt eine unterschiedlich umfangreiche allgemeingültige Feststellung, wie z.B. in La vecchia scorticata (I, 10) über die große Sehnsucht von Frauen nach Jugend. Die eigentliche Erzählung nimmt den größten Raum ein und wird mit einer die Moral der Geschichte formulierenden Quintessenz bzw. einem Sprichwort abgeschlossen. Viele Märchen rundet daraufhin ein nochmaliger Bezug zum Rahmen ab.

Aus Basiles Märchensammlung wählt der Regisseur Matteo Garrone, der auch für das Drehbuch mitverantwortlich zeichnet, drei Episoden des ersten Tages, die er 2014 mit international bekannten Schauspielern verfilmte: Lo polece (Der Floh, I, 5), La cerva fatata (Die hinterlistige Hirschkuh, I, 9) und La vecchia scorticata (Die geschundene Alte, I, 10).

Basiles Text Lo polece erzählt von einem König, der von einem Floh gebissen wird. Dennoch ist er von dem Tier so fasziniert, dass er es mästet, bis es so groß wie ein Hammel ist. Er lässt ihm dann die Haut abziehen und diese gerben. Seine Tochter will er mit demjenigen verheiraten, der errät, von welchem Tier sie stammt. Sieger des Wettbewerbs ist ein äußerst hässlicher, verwilderter Mann, der die Tochter mit in seine Behausung nimmt und ihr Menschenfleisch vorsetzt (Abb. 1). Als sie die Speise verweigert, geht er erneut auf die Jagd, um für sie ein Tier als Mahlzeit zu erlegen. Zufällig sieht in der Zwischenzeit eine alte, hungrige Frau die weinende Königstochter und kündigt ihr für den folgenden Tag durch ihre sieben, mit Wunderkräften ausgestatteten Söhne Befreiung an. Die Flucht gelingt, da die Söhne vor dem Verfolger immer wieder Hindernisse im wahrsten Sinn des Wortes ausspucken (z.B. einen See oder einen Turm, in dem sich die Fliehenden einschließen können). Am Ende ist das Scheusal besiegt, und die junge Frau kehrt zu ihrem Vater zurück, der seine Tat schon längst bereut hat, und ihr nun einen angemessenen Bräutigam sucht.

Abb. 1. Die neue Behausung der Königstochter in der Episode Lo polece – Der Floh, Quelle: www.01distribution.it/film/il-racconto-dei-racconti/#5, 28.10.2016.

Auch in La cerva fatata ist ein König Auslöser des Geschehens. Er will unbedingt einen Erben, doch seine Frau wird nicht schwanger. Ein Einsiedler rät ihm, das Herz eines Meerdrachens von einer Jungfrau kochen zu lassen, und weissagt, dass das junge Mädchen bereits von dem Geruch des Gerichts schwanger werde, die Königin aber das Herz essen müsse. Beide Frauen gebären innerhalb kürzester Zeit Söhne, die sich völlig gleichen und eine so enge Freundschaft schließen, dass die Königin auf Cannerolo, den Sohn des Mädchens, eifersüchtig wird und ihn erschlagen will. Die Attacke misslingt zwar, doch bleibt ihm eine Narbe zurück, an der man ihn von seinem Ebenbild, dem Prinzen Alfons, unterscheiden kann. Er verlässt die Gegend, erklärt aber vorher Alfons, wie der aus einer Quelle auf seinen – Cannerolos – Gesundheitszustand schließen kann. Nach seiner Hochzeit mit einer Königstochter gerät Cannerolo durch die Jagd auf einen wilden Mann, der sich täglich in ein anderes Tier verwandeln kann, in Gefahr, denn in Gestalt einer Hirschkuh gelingt es dem Unhold, den jungen Mann zu überlisten und in seine Höhle einzusperren, um ihn später aufzufressen. Der Königssohn erkennt aus der Quelle, dass es seinem Freund schlecht geht, sucht und findet ihn, tötet den wilden Mann und befreit seinen Freund. Alfons kehrt nach Hause zurück und übergibt der Mutter seines Freundes einen Brief, in dem sie aufgefordert wird, zu ihrem Sohn zu kommen.

Männlicher Protagonist in La vecchia scorticata ist ebenfalls ein König, unter dessen Fenster zwei alte, hässliche Frauen wohnen. Sie klagen unablässig, so dass der König glaubt, eine empfindliche, zarte Frau wohne dort. Er umwirbt und bedrängt sie, bis die beiden Alten ihm gestatten, durchs Schlüsselloch einen ihrer Finger zu sehen. Der Finger ist jedoch nur ein zugespitztes Hölzchen. Eine der Frauen will sich nun nachts bei völliger Dunkelheit zum König ins Bett legen. Um die Täuschung aufrecht zu erhalten, bindet sie sich ihre Hautfalten auf den Rücken. Als sie einschläft, entdeckt der neugierige König den Betrug und lässt sie trotz ihres Protestes aus dem Fenster werfen. Sie bleibt jedoch in einem Feigenbaum hängen. Dieses Vorkommnis erheitert einige schlecht gelaunte Feen so, dass sie nicht mehr aufhören können zu lachen. Zur Belohnung verjüngen sie die Alte, die daraufhin den König heiratet. Während des Festes will die neidische andere alte Frau wissen, wie die Verjüngung zustande kam. Die Braut erklärt, sie habe sich häuten lassen. Die zweite Alte will es ihr nachtun und stirbt bei der Prozedur.

Die Verfilmung dieser Märchen durch Garrone, die seine erste Arbeit in englischer Sprache ist, weist zahlreiche strukturelle und inhaltliche Änderungen im Vergleich zur Vorlage auf, die im Unterricht erörtert werden können. Der Regisseur verzichtet nicht nur auf die Rahmenhandlung, die allgemeingültigen Sentenzen und Schlussmoral der Geschichten, sondern verbindet zudem die drei Märchen in einer lockeren erzählerischen Einheit so, dass dem Zuschauer, der die literarische Vorlage nicht kennt, speziell am Anfang der Wechsel von einem Märchen zum anderen nicht automatisch bewusst wird. Außerdem ändert Garrone die chronologische Reihenfolge der Erzählungen. Der Film beginnt mit dem neunten Märchen (Die Hirschkuh), in das Garrone zunächst nur kurze Sequenzen aus dem fünften (Der Floh) und dem zehnten Märchen (Die geschundene Alte) einstreut. Nach einem Zeitsprung – der inzwischen beinahe erwachsene Königssohn plant, abwechselnd mit seinem Freund König zu sein, da niemand die beiden auseinander halten kann – folgen sukzessive längere Episoden aus dem zehnten und fünften Märchen, bevor der Film wieder die Handlung der Hirschkuh aufnimmt und zeigt, wie ein wildes, drachenähnliches Tier den Freund des Königsohnes angreift. Der Königssohn tötet es, und das Ungeheuer verwandelt sich in eine schöne junge Frau. Bei der nun folgenden Hochzeit des Königs mit der verjüngten Alten (I, 10) entlockt ihr die zweite Alte das Geheimnis der Verjüngung und lässt sich schließlich häuten. Ein weiterer Szenenwechsel führt zur Königstochter aus Der Floh (I, 5), die nach mehreren überstandenen Gefahren endlich wieder nach Hause kommt. Bei dem abschließenden Fest, das anlässlich ihrer Krönung veranstaltet wird, sind die Beteiligten aus den anderen Märchen (die verjüngte Alte, ihr Mann, der Königssohn aus der Hirschkuh) unter den Gästen, so dass die drei Erzählungen zusammengehalten werden.

Auch in Bezug auf den Inhalt hält sich Garrone nicht strikt an die literarische Vorlage und kann dadurch die Gefährlichkeit und Spannung mancher Episoden erhöhen. Änderungen betreffen beispielsweise den Kinderwunsch in La cerva fatata, der, wie aus der Eingangssequenz ersichtlich wird, von der Königin ausgeht. Der König selbst nimmt die gefährliche Suche nach dem Meerungeheuer auf sich und wird dabei tödlich verletzt. In La vecchia scorticata klagen die alten Frauen nicht, sondern singen, außerdem bemerkt die verjüngte Alte, dass sie bei dem Fest für die Königstochter aus Der Floh plötzlich wieder alt wird, weshalb sie in Panik flieht. In Der Floh sind es drei, nicht sieben Söhne, die zudem keine übernatürlichen Kräfte haben und am Schluss von dem Unhold besiegt werden. Ihm wiederum schneidet die Königstochter selbst die Kehle durch und trägt den Kopf in ihrem Rock eingewickelt zum Hof ihres Vaters.

Abb. 2. Das opulente Leben am Königshof in der Episode La vecchia scorticata – Die geschundene Alte, Quelle: www.01distribution.it/film/il-racconto-dei-racconti/#3, 28.10.2016.

Die Inszenierung des Films betont den märchenhaften Charakter der Geschichten. Landschaften suggerieren oft endlose Weiten und wirken geisterhaft, geheimnisvoll, teilweise auch bedrohlich. Stimmungsbilder über das opulente Leben an den Königshöfen (Abb. 2) werden von prächtigen, farbigen Kostümen, Gauklern, Feuerschluckern, Bärendompteuren und reichlich gedeckten, festlichen Tafeln illustriert, während die Armseligkeit der Untertanen durch vornehmlich in Grautönen gehaltene heruntergekommene Katen und zerfetzte Kleidungsstücke veranschaulicht wird. Den fantastischen, teilweise bizarren Inhalt verdeutlichen beispielsweise die beeindruckenden geheimnisvollen Unterwasserszenen bei der Jagd auf das Meeresungeheuer, verschwommene, undeutliche Bilder der gefährlichen Bestie, mysteriöse Gestalten, die Weissagungen aussprechen, das Spiel mit der Zeit durch Diskrepanzen zwischen einer tatsächlichen und gefühlten Zeitspanne oder die Verwandlung des drachenähnlichen Tiers in Die Hirschkuh in eine schöne junge Frau. Die skurrile Idee des Originals, dass nicht nur die zwei Frauen aus der Hirschkuh, sondern auch die Möbel im Schloss schwanger werden – z.B. gebiert ein Tisch ein Tischchen –, setzt Garrone jedoch nicht um. Sehr häufig akzentuieren die Farben, in denen die Szenen gehalten sind, die Dramatik des Geschehens zusätzlich, z.B. wenn die schwarzgekleidete Königin in einem grau-weißen Saal von dem roten, blutigen Herz des Meerungeheuers abbeißt (Abb. 3). Da die musikalische Untermalung vieler Filmsequenzen zurückhaltend ist, betont das pathetische Anschwellen der Musik die gefährlichen Ereignisse in besonderem Maß.

Abb. 3. Die Königin aus La cerva fatata – Die hinterlistige Hirschkuh beim Verspeisen des Herzens des Meerungeheuers, Quelle: www.01distribution.it/film/il-racconto-dei-racconti/#1, 28.10.2016.

Trotz der Abweichungen vom literarischen Original eignet sich der Film curricularen Vorgaben entsprechend3 als Ergänzung und Unterstützung der Textarbeit. Im Italienischunterricht nur auf den Film zurückzugreifen, empfiehlt sich nicht, denn die im Handel erhältliche DVD enthält neben der Originalversion in englischer Sprache nur eine deutsche Synchronisierung, aber keine italienische Fassung. Grundlage einer Unterrichtssequenz sollten daher die Märchentexte in italiano standard neben Auszügen aus dem neapolitanischen Original für einen Sprachvergleich sein, dazu die Übersetzung ins Deutsche, die den Schülern bei der oft mit Adjektiven überhäuften und der nicht durchweg mit dem Vokabular des Alltagsitalienischen kongruenten Sprache Hilfestellung gibt. Ob der Film, der immerhin ca. 129 Minuten dauert, in voller Länge gezeigt wird, muss die Lehrkraft in Kenntnis ihrer Schülergruppe entscheiden, denn eventuell könnten einige Schüler an Sex- und Nacktszenen (in I, 9), an der Darstellung von Gewalttaten, die durch Tiere und Menschen verübt werden, oder andere Schockszenen (z.B. wenn die Magd das noch pulsierende Herz des Ungeheuers in den Kochtopf wirft) Anstoß nehmen.

Als Einstieg sollen die Schüler ihr Wissen über die Gattung ‚Märchen‘ reaktivieren, italienische Titel für bekannte Märchen suchen und beschreiben, was ihrer Ansicht nach charakteristisch für eine Fantasy-Geschichte bzw. einen Fantasy-Film ist. Kleingruppen können sich über den Regisseur und die Hauptdarsteller informieren, die Ergebnisse der Recherchen den anderen Gruppen mitteilen und Erwartungen, die das Cover der DVD auslöst, formulieren. Ein Wörternetz zum Thema ‚Märchen‘ (z.B. re, regina, fata, strega, mostro, incantare, maledire, uccidere, brutto/a, amabile, bello/a …) erweitert die lexikalischen Kenntnisse der Schüler und erhöht durch das Nachschlagen in Wörterbüchern ihre Methodenkompetenz.

Durante della lettura/della vista fassen die Lernenden in Gruppen den Inhalt der drei Geschichten, die alle einen überschaubaren Umfang haben, auf Italienisch zusammen, bevor sie Auszüge (z.B. den Beginn eines Märchens) aus der neapolitanischen und der (Standard-)italienischen Fassung in Bezug auf ähnliche Wörter und Strukturen vergleichen. Die Diskussion über die allgemeine Weisheit vor Beginn des jeweiligen Märchens und die Auslegung der Moralsentenz am Ende der Geschichten (z.B. „la invidia, figlio mio, distrugge se stessa“ aus La vecchia scorticata) liefern zusätzliche Impulse für Debatten im Klassenzimmer und fördern somit die kommunikative Kompetenz.

Der Vergleich des Films mit der gedruckten Textfassung der Märchen konzentriert sich auf strukturelle und inhaltliche Abweichungen. Die vom Regisseur verwendete Montagetechnik sowie der Einsatz von Farben und Musik sind genauso wie die Einschätzung ausgewählter – z.B. besonders fantastischer und grausamer – Szenen wichtige Gesprächsanlässe.

Ein Vergleich des Film-Trailers mit dem Trailer zu Pier Paolo Pasolinis Decamerone und mit anderen, den Schülern bekannten Fantasy-Filmen (z.B. Herr der Ringe, Alice im Wunderland, Die Insel der besonderen Kinder) weisen über die philologische und inhaltliche Auseinandersetzung mit der Text- und Filmversion hinaus und positionieren Filme als eigenständige Kunstform im erweiterten Literaturbegriff. Das Zusammentragen von Informationen über einige Drehorte (castello di Donnafugata, castel del Monte, castello di Rocca scalegna) kommt den landeskundlich-geografischen Kenntnissen zugute.

Ansatzpunkte für kreative Aufgaben dopo la lettura/la vista können sein: das Umschreiben des Textes aus der Perspektive einer anderen Figur (z.B. aus der Sicht der Küchenmagd, die das Herz des Seeungeheuers kochen muss; aus der des Flohs während seiner Mastzeit), eine Filmbesprechung für die Schülerzeitung usw. Unbedingt sollten die Schüler ihre Einschätzung des Films begründen, aber auch darüber reflektieren, was Garrone speziell an diesen drei Episoden für seinen Film inspiriert haben könnte. Die Frage, was der heutige Zuschauer/Leser aus dem Film bzw. den Märchen gewinnt, ist ein weiterer Diskussionspunkt.

Selbst wenn den Märchen nur wenige Unterrichtsstunden gewidmet werden können, ist der didaktische Ertrag des Vergleichs von Text- und Filmfassung in Hinblick auf die von den Bildungsstandards eingeforderten Kompetenzen vielfältig. Die Schüler werden durch Diskussionen und Stellungnahmen in ihren kommunikativen Fähigkeiten geschult. Sie steigern ihre Literaturkompetenz, denn sie lernen Texte kennen, die einen großen Einfluss auf die europäische (Märchen-)Literatur genommen haben und Bestandteil des italienischen literarischen Erbes sind. Außerdem stärken die Jugendlichen ihre Medienkompetenz, wenn sie sich darin üben, Filme nicht nur geschmacklich sondern kritisch-bewertend zu beurteilen und über Macharten von Filmen zu reflektieren, indem sie verschiedene Techniken in ihrer Wirkung beschreiben, Darstellungsverfahren diskutieren und bestimmte Filmsequenzen analysieren. Natürlich muss die Lehrkraft dazu einen Grundstock filmanalytischer Fachbegriffe bereitstellen (z.B. , accessoria di scena, linguaggio del corpo, costumi, angolo di campo, tecnica di taglio u.v.a.m.). Nicht zuletzt ist das hohe Motivationspotential von Fantasyliteratur und -filmen zu erwähnen, denn damit greift der Unterricht die privaten Lese- und Sehgewohnheiten der Jugendlichen auf.

 

Möglicher Katalog von Fragen bzw. Aufgaben

I. prima della lettura/della vista

  1. Quali sono gli elementi distintivi del genere ‘favola’/di un film della categoria ‘Fantasy’?
  2. Cercate i titoli italiani di alcune favole che conoscete (p. es. SchneewittchenBiancaneve).
  3. Lavorate in gruppi: Informatevi su Internet sul regista e gli attori principali e informate dopo i vostri compagni di classe.
  4. Descrivete la foto della DVD. Quali sono le aspettative causate dalla foto? Vi sembra bene riuscita riguardo al contenuto e al genere delle favole?
  5. Elaborate una rete di vocabolario della parola ‘favola’.

II. durante la lettura

  1. Fate tre gruppi. Ogni gruppo lavora su una favola. Leggete il testo scelto e ne compilate un breve sommario.
  2. Confrontate la versione della favola in italiano standard con la versione in dialetto napoletano. Individuate le parole e strutture identiche e anche le differenze.
    Esempio:

    La cerva fatata (italiano standard)

    C’era una volta un certo re di Pergola Lunga, chiamato Iannone, il quale, desiderando grandemente dei figli, faceva sempre pregare gli dei perché facessero gonfiare la pancia a sua moglie e, affinché si muovessero per esaudire questo suo desiderio, era tanto caritatevole con i pellegrini che gli dava quanto di meglio si trovava nel suo tesoro: ma siccome a un certo punto vide che le cose andavano per le lunghe e non c’era verso che gli spuntasse nemmeno un germoglio, chiuse la porta a chiave e tirava di balestra a chi vi si avvicinava…

    Versione in dialetto napoletano

    Era na vota no cierto re de Longa Pergola, chiammato Iannone, lo quale, avenno gran desederio de avere figlie, faceva pregare sempre li dei che facessero ’ntorzare la panza a la mogliere; e, perché se movessero a darele sto contiento, era tanto caritativo de li pellegrine, che le dava pe fi’ a le visole. Ma vedenno all’utemo che le cose ievano a luongo e non c’era termene de ’ncriare na sporchia, serraie la porta a martiello e tirava de valestra a chi ’nce accostava.

  3. Spiegate la morale che termina ogni favola. Sono valide ancora oggi?

III. Paragone film – testo

  1. Come il regista ha combinato le favole?
  2. Quale differenze fra il testo e il film sono evidenti?
  3. La musica del film e le scene agli corti reali vi sembrano adeguate rispettivo al contenuto? Perché si, perché no?
  4. Parlate con il vostro vicino dell’impressione delle prime scene.
  5. Quale sono le scene le più fantastiche/le più scioccanti/le più crudeli?

IV. dopo la lettura/dopo la vista del film

  1. Comparate il trailer del film4 con il trailer del Decamerone di Pasolini5.
  2. Informatevi su Internet sui luoghi di realizzazione/castelli.
  3. Trovate parallele fra il film di Garrone e altri film Fantasy che conoscete?
  4. Scrivete un breve testo dal punto di vista della pulce raccontando la sua vita come detenuta del re.
  5. Scrivete un articolo per il vostro giornale di scuola sul film.
  6. Parlate in due e dopo in classe: Il film era interessante per voi? Perché si, perché no?
  7. Discutete tra di voi: Perché Garrone ha scelto questi episodi?
  8. Le favole hanno, secondo voi, anche oggi un’importanza per i lettori?

 


  1. Märchen werden häufig als geeignete Textsorte v.a. für den Anfangsunterricht vorgeschlagen, beispielsweise im bayerischen Lehrplan für Italienisch, vgl. www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26427, 22.09.2016.
  2. Z.B. Lehrplan Rheinland-Pfalz, http://lehrplaene.bildung-rp.de/gehezu/startseite.html; bayerischer Lehrplan, www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26515, 22.09.2016.
  3. Im aktuellen bayerischen Lehrplan für Italienisch als dritte Fremdsprache (Q-Phase) heißt es u.a.: „eine Ganzschrift aus der erzählenden Literatur des 20. oder 21. Jahrhunderts, z.B. Calvino, Moravia, Pavese, Pirandello, Tabucchi, Tomasi; auch z.B. Ammaniti, Giordano, Mastrocola, ggf. im Vergleich zu einer Verfilmung, […] ein Drama aus dem 20. oder 21. Jahrhundert (z.B. Fo, Ginsburg, Pirandello) in Auszügen oder als Ganzschrift bzw. Auszüge oder eine Ganzschrift aus dem Bereich Film (Filmskript oder Textbuch) […] mindestens ein Spielfilm (z.B. La vita è bella, Io non ho paura, Generazione 1000 Euro), ggf. in Auszügen, weitere Film- und Fernsehausschnitte.“ Vgl. www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26515, 08.10.2016.
  4. https://www.youtube.com/watch?v=ZZoL15nFrH0, 03.10.2016.
  5. Bspw. https://www.youtube.com/watch?v=8LfDrDSgXZw 03.10.2016.
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