Cid-Epos im Spanischunterricht
Christian GrĂŒnnagel und Nicola Nier, âWeinende Helden, geschlagene Frauen: was uns das Cid-Epos ĂŒber (mittelalterliche) MĂ€nnlichkeit (und Weiblichkeit) verrĂ€t. Ein PlĂ€doyer fĂŒr den reflektierten Einsatz Ă€lterer Literatur im kompetenzorientierten Spanischunterricht der gymnasialen Oberstufeâ, zur Publikation in Romanische Studien 6 (2016).
Welche Funktionen literarische Texte in einem kompetenzorientierten Fremdsprachenunterricht erfĂŒllen, ist seit geraumer Zeit in der Diskussion, insbesondere der Status sog. âĂ€lterer Literaturâ erweist sich hierbei als prekĂ€r. Der vorliegende Beitrag sucht an dem konkreten Beispiel des altspanischen Heldenepos Cantar de Mio Cid (um 1200) einen Entwurf zu prĂ€sentieren, wie die kompetenzorientierte Arbeit mit SchĂŒlerInnen an TextauszĂŒgen zu einem vertieften VerstĂ€ndnis vom Konstruktcharakter des Geschlechts (Gender) und seiner historischen Wandelbarkeit fĂŒhren und welche Relevanz diese Erkenntnisse im Rahmen der in den Bildungsstandards geforderten Lernziele und Kompetenzen entfalten können. Der didaktische Fokus richtet sich hierbei auf die fruchtbare Verbindung von Kompetenzorientierung und âĂ€ltererâ Literatur, die eine explizite Thematisierung der Kategorie âGeschlechtâ im Unterricht ermöglicht.
Auszug des Aufsatzes in der
Rubrik âArs legendiâ
Ăber die Rolle von Literatur im kompetenzorientierten Fremdsprachenunterricht ist in den letzten Jahren schon viel geschrieben worden. Die Gegner bzw. Kritiker der Bildungsreformen nach PISA und Co. warnten (in AnsĂ€tzen gewiss auch zu Recht) davor, Inhalte komplett aus den LehrplĂ€nen zu verbannen. Ihrer Angst vor inhaltsleerem, streng Output-orientiertem Unterricht, der zur Ausbildung der Kompetenzen1 eine konsequente Abkehr von bislang im Unterricht prĂ€senten Werken des bzw. eines tradierten Bildungskanons erfordere, wurde jedoch bereits ebenfalls schon einiges entgegensetzt.2 BeitrĂ€ge wie zuletzt Monika Neuhofers âSprache ohne Kulturâ3 (speziell am Beispiel Ăsterreichs) oder Otto-Michael Blumes noch stĂ€rker reflektierte Recherche de la littĂ©rature perdue4 zeigen aber, wie aktuell und brisant die Diskussion um ein Gleichgewicht von Inhalts- und Kompetenzorientierung, von Input und Output noch immer ist.
Diese Diskussionen beziehen sich dabei in aller Regel auf den Englisch- und Französischunterricht â was sich damit begrĂŒnden lĂ€sst, dass z.B. fĂŒr das Fach Spanisch in Deutschland keine Bildungsstandards existieren. Eine implizite Orientierung am Fach Französisch ist hier die logische, âromanistischeâ Konsequenz. Betrachtet man nun die Bildungsstandards fĂŒr die fortgefĂŒhrte Fremdsprache (Englisch/Französisch) nĂ€her, so wird bereits in deren Einleitung deutlich, dass das ĂŒbergeordnete Lehr- und Lernziel fĂŒr die gymnasiale Oberstufe auch heute noch âeine vertiefte Allgemeinbildung, allgemeine StudierfĂ€higkeit sowie wissenschaftspropĂ€deutische Bildungâ5 ist. Ein weiterer Fokus liegt auf einem fachlichen Grundlagenwissen.6 Erst hierauf aufbauend erfolgt die Darlegung der Kompetenzen. SteinbrĂŒgge verweist allerdings zu Recht darauf, dass Literatur in den Bildungsstandards hĂ€ufig nicht explizit genannt, sondern eher allgemein auf âTexteâ verwiesen wird. FĂŒr den Kompetenzerwerb werde hĂ€ufig nicht deutlich gemacht, ob dieser besser anhand von Sachtexten oder literarischen Texten erfolgen solle.7 Dieser Spielraum bietet den LehrerInnen die Entscheidungsfreiheit, mit welcher Literatur bzw. mit welchen Texten sie arbeiten. Eine reine Kompetenzorientierung und ein völliger Verlust der Inhalte zeichnen sich hier jedoch nicht ab. In der FachprĂ€ambel wird nĂ€mlich gleich zu Beginn auf das Ziel der individuellen Mehrsprachigkeit und die Notwendigkeit der interkulturellen Kompetenz verwiesen.8 Als wesentliche Vorgabe des Fremdsprachenunterrichts gilt darĂŒber hinaus die âBefĂ€higung zum mĂŒndlichen und schriftlichen Diskurs. [âŠ] Sie umfasst wichtige interkulturelle Kompetenzen, die im Unterricht zusammen mit den sprachlichen Kompetenzen im Rahmen einer Auseinandersetzung mit Themen, Texten und Medien integriert erworben werden.â9 Die Bedeutung von literarisch und kulturell wertvollen Unterrichtsinhalten wird explizit ausgefĂŒhrt:
Dabei werden kulturelle, politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche, geografische und geschichtliche Aspekte berĂŒcksichtigt. Werke der Literatur, Filme, thematisch relevante Werke der darstellenden Kunst eröffnen spezifische ZugĂ€nge zu unterschiedlichen individuellen, universellen und kulturspezifischen Sichtweisen.10
Auf dieser Annahme baut der vorliegende Beitrag auf, der mit seinem bewusst gewĂ€hlten Fokus auf Ă€ltere Literatur noch einen (insbesondere zeitlich) groĂen Schritt ĂŒber die bisherigen Diskussionen hinausgeht.
Die vom Land Hessen veröffentlichten Hinweise zur Vorbereitung auf die schriftlichen AbiturprĂŒfungen im Landesabitur 201711 bzw. die sog. Leselisten fĂŒr die FĂ€cher Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch zeigen ebenfalls, dass Literatur durchaus noch verbindlich zu behandeln ist. So wird im Leistungskurs Französisch z.B. weiterhin u.a. auf Maupassant verwiesen, wĂ€hrend fĂŒr Spanisch Chirbesâ La buena letra, SkaÌrmetas Ardiente paciencia (El cartero de Neruda) und GarciÌa Lorcas La casa de Bernarda Alba vorgeschrieben sind.12 Der Schwerpunkt liegt hier also sehr deutlich auf der spanischen und hispanoamerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts.
Dass auch âKlassikerâ der sog. âWeltliteraturâ durchaus ihren Reiz und eine Relevanz fĂŒr den kompetenzorientierten Fremdsprachenunterricht besitzen, zeigt Meike Hethey am Beispiel des Französischunterrichts. Diese âWeltliteraturâ zeichnet sich âdurch ihre ReprĂ€sentativitĂ€t aus, vielfach durch ihre thematische, narrative oder generell Ă€sthetische Innovation und KreativitĂ€t.â13 Ganz im Sinne des vorliegenden Beitrags ist es auch ihre Zeitlosigkeit und damit ihre Eigenschaft, Fragen aufzuwerfen und Probleme zu thematisieren, die fĂŒr spĂ€tere Generationen nichts von ihrer Brisanz verloren haben,14 oder die Möglichkeit bieten, mit ihrer Hilfe ĂŒber hochaktuelle Themen und Probleme zu sprechen. Hethey formuliert daher die Forderung, nicht nur an fremdsprachlicher Literatur festzuhalten, sondern darĂŒber hinaus die Auswahl der im Fremdsprachenunterricht verwendeten âKlassikerâ unbedingt breit aufzustellen. Diese Texte sollen dabei jedoch als literarische Produkte verstanden werden, die in erster Linie zu einer Auseinandersetzung der SchĂŒlerInnen mit den Themen und Motiven des Werkes fĂŒhren.15
Was unser Aufsatz nun zu leisten versucht, ist kein weiterer, allgemein gehaltener Beitrag zur Notwendigkeit von literarischen Werken im kompetenzorientierten Fremdsprachenunterricht. Vielmehr soll es hier um die Frage gehen, wie âWerke der Weltliteraturâ â im Sinne Hetheys â und dabei konkret Werke des Mittelalters ihren Platz in diesen Diskussionen um Inhalte und Kompetenzen finden können. Dass das Mittelalter noch immer zentraler Bezugspunkt fĂŒr unsere zeitgenössische Kultur und Gesellschaft ist, hat jedenfalls kaum jemand so auf den Punkt gebracht wie Umberto Eco mit seinen âZehn Arten, vom Mittelalter zu trĂ€umenâ.16 Ein wahrer Mittelalter-Boom17 lĂ€sst sich seit den 1980er Jahren in unterschiedlichsten Bereichen des kulturellen Lebens beobachten, man denke z.B. an die Vielzahl von MittelaltermĂ€rkten, die Faszination fĂŒr mittelalterliche Musik sowie die PrĂ€senz mittelalterlicher Stoffe, Motive und Formen im Bereich von (Fantasy-)Literatur und Film bis hin zu Computerspielen. Kurz gesagt: Das Mittelalter ist ĂŒberall â nur nicht in der Schule.18
Um diese Diskrepanz aufzuarbeiten, bietet der vorliegende Beitrag einen AnstoĂ, die durch Bildungsstandards und Kompetenzorientierung gewonnenen FreirĂ€ume fĂŒr Literatur unterschiedlichster Art zu nutzen, um auch mittelalterliche Literatur im Schulkontext zu behandeln.19 Explizit sollen hier zwei Textstellen aus dem hochmittelalterlichen Epos Cantar de Mio Cid zunĂ€chst kommentierend vorgestellt und anschlieĂend in Hinblick auf eine mögliche Umsetzung im Spanischunterricht der Sekundarstufe II erarbeitet werden. Der inhaltliche Aufgabenschwerpunkt soll dabei auf einem Aspekt liegen, der in der literatur- und kulturwissenschaftlichen Forschung schon seit lĂ€ngerer Zeit Hochkonjunktur hat, in der Schule aber erst langsam an Bedeutung gewinnt: Die Frage, wie man Gender-Debatten inhaltlich in die Schule und in den (Fremd-)Sprachenunterricht verlagern kann,20 steckt nĂ€mlich noch in den AnfĂ€ngen.21 Die Eignung von literarischen Texten dĂŒrfte bei diesem Thema aber auf der Hand liegen:
Zum einen ist es bei [âŠ] der SensibilitĂ€t des Themas bisweilen einfacher, sich ĂŒber Gendernormen am Beispiel literarischer Charaktere und Konstellationen anstelle eines direkten persönlichen Bezugs auszutauschen. Zum anderen ermöglichen sie â bei entsprechender Textauswahl â Einblicke und Perspektiven, die möglicherweise nicht heteronormativen Standards oder Geschlechterstereotypen entsprechen, und können so Anlass zur Reflexion dieser Normen und ihrer gesellschaftlichen Bedingungen sein oder als Identifikationsfiguren dienen.22
Wenn nun aber die ErschlieĂung einer fremden Kultur (die nicht aus dem Nichts plötzlich im Jahr 2016 einfach âdaâ ist, sondern das konfliktive Produkt einer jahrhundertealten Geschichte reprĂ€sentiert) ein zentrales Lernziel des Fremdsprachenunterrichts darstellt und davon ausgehend kritisch ĂŒber eigene Denkgewohnheiten, insbesondere auch bei der Frage nach MĂ€nnlichkeit und Weiblichkeit, reflektiert werden soll, dann kann selbst ein Blick in die sehr alte Literatur von groĂer Relevanz und Brisanz sein.
Die konkrete Verortung dieses Themas in einem der bundesdeutschen LehrplĂ€ne (hier: am Beispiel des hessischen Lehrplans fĂŒr die Fremdsprache Spanisch) sehen wir im Bereich des verbindlichen Unterrichtsthemas La existencia humana en ambos mundos fĂŒr die Qualifikationsphase 3 der Sekundarstufe II. Die SchĂŒlerInnen sollen hier âin der Auseinandersetzung mit menschlichen Grunderfahrungen, Denkweisen und Wertfragen Anregungen fĂŒr eine eigenstĂ€ndige Lebenskonzeption erfahren.â23 Als verbindlicher Unterrichtsinhalt wird zudem Mujeres y hombres de ayer y de hoy24 â also auch ein diachroner Blick auf âMĂ€nner und Frauenâ â vorgegeben. Das Hinterfragen von Genderzuschreibungen und ein Blick auf deren kulturell bedingte Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte bieten sich daher an.25
Wenn wir nun konkret den (fragmentarisch ĂŒberlieferten) Beginn des Cid-Epos betrachten, werden wir mit einem Titelhelden konfrontiert, den nichts weniger als ein Weinkrampf gepackt hĂ€lt:26
De los sos ojos tan fuertemientre llorando,
tornava la cabeça e eståvalos catando.
[âŠ]
Sospiró mio Cid, ca mucho avié grandes cuidados,
fablĂł mio Cid, bien e tan mesurado:
â ÂĄGrado a ti, Señor, Padre que estĂĄs en alto!
ÂĄEsto me an buelto mios enemigos malos!
(Cid I, 1, 1â9)
Warum aber weint der groĂe Held âtan fuertemientreâ?27 Obwohl der eigentliche Beginn des Epos verschollen ist, lĂ€sst sich aus der internen Textlogik und aus historischen Quellen zur extrafiktionalen Wirklichkeit des Rodrigo DĂaz de Vivar, genannt âEl Cidâ, rekonstruieren, dass dieser âgrandes cuidadosâ (âgroĂe Sorgenâ) hat, da er gerade zu Unrecht vom kastilischen König Alfons VI., seinem Lehensherrn, in die Verbannung geschickt wurde.28 Das heftige Weinen wird von der ErzĂ€hlinstanz an keiner Stelle â auch nicht in den von uns ausgelassenen Versen â kommentiert, es erscheint als eine zeitgenössische SelbstverstĂ€ndlichkeit, dass âgrandes cuidadosâ einen starken, exteriorisierten GefĂŒhlsausbruch bei Rittern nahelegen. Der ErzĂ€hler stellt sich vielmehr von Beginn an subtil auf die Seite des Weinenden, indem er die BegrĂŒndung fĂŒr das Weinen und Seufzen (suspirar) des Cid benennt, den sich anschlieĂenden Monolog mit Apostrophe an Gott als eine âgute und wohlabgewogeneâ Rede bewertet und in Parallelismen emphatisch den (arabischen) Ehrentitel des Ritters inklusive eines emotionale Verbundenheit und Gefolgschaft ausdrĂŒckenden Possessivpronomens (âmio Cidâ) aufruft.29 Die Schuldigen fĂŒr die Trauer des Helden werden von ihm selbst ausgemacht: âböse Feindeâ seien durch ihre RĂ€nkespiele bei Hofe verantwortlich fĂŒr seinen Schmerz.
Doch es bleibt nicht bei dieser Erkenntnis, dass auch ein Held wie der Cid Campeador angesichts groĂer SchicksalsschlĂ€ge weinen âdurfteâ, ohne damit seine VirilitĂ€t aufs Spiel zu setzen, das Epos hĂ€lt vielmehr noch weitere Ăberraschungen bereit, wenn wir es zunĂ€chst mit einem klischierten Mittelalterbild im Kopf lesen. Dass Frauen im Mittelalter in der Tat oft Opfer mĂ€nnlicher, teils sexualisierter Gewalt wurden, ist nun historisch belegt, es stellt sich aber die Frage, ob die Zeitgenossen dies einfach als mĂ€nnliches âGewaltmonopolâ zur Kenntnis nahmen oder ob sich kritische (mĂ€nnliche) Stimmen erhoben, wenn es um MĂ€nner ging, die Hand an Frauen legten.30 Im Cid-Epos ist die Situation nochmals zugespitzt, da es im dritten Gesang zu einem brutalen Ăbergriff der Schwiegersöhne des Campeador gegenĂŒber ihren rechtmĂ€Ăig angetrauten Ehefrauen kommt â Gewalt in der Ehe also, deren sexualisierte Variante als Vergewaltigung erst seit Mai 1997 einen Tatbestand im bundesdeutschen Strafrecht darstellt.31 MĂŒssen wir also annehmen, dass ein Werk des Hochmittelalters hieran nichts Verwerfliches feststellen mag?
Fortsetzung des Artikels in
Romanische Studien 6 (2016)
- Vgl. fĂŒr das aktuelle Kompetenzmodell: âKMK: Bildungsstandards fĂŒr die fortgefĂŒhrte Fremdspracheâ, www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2012/2012_10_18-Bildungsstandards-Fortgef-FS-Abi.pdf, 12, letzter Zugriff am 01.08.2016.â©
- Vgl. hierzu z.B. Karl-Richard Bausch, Eva Burwitz-Melzer u.a., Hrsg., Fremdsprachenunterricht im Spannungsfeld von Inhaltsorientierung und Kompetenzbestimmung (TĂŒbingen: Narr, 2009).â©
- Neuhofer befĂŒrchtet z.B. eine âEntkulturalisierungâ der Sprache, vgl. Monika Neuhofer, âSprache ohne Kultur: zur Kompetenzorientierung in den Fremdsprachen (am Beispiel des Französischunterrichts in Ăsterreich)â, Romanische Studien 3 (2016): 395â411.â©
- Vgl. Michael-Otto Blume, âIm Wunderland der Kompetenzen â Und wo bleiben die Inhalte?â, französisch heute 46, Nr. 3 (2015): 29â36.â©
- âKMK: Bildungsstandardsâ, 5.â©
- Vgl. âKMK: Bildungsstandardsâ, 5.â©
- SteinbrĂŒgge macht in diesem Zusammenhang auch eindrĂŒcklich deutlich, worin auf mehreren Ebenen fĂŒr sie der Mehrwert von literarischen Texten besteht, vgl. Lieselotte SteinbrĂŒgge, âDas didaktische Potenzial von literarischen Texten im Fremdsprachunterrichtâ, französisch heute 46, Nr. 3 (2015): 5â10, hier 6â8; vgl. hierzu auch Meike Hethey, âZum Potenzial von âKlassikernâ in einem modernen Französischunterrichtâ, französisch heute 46, Nr. 3 (2015): 17â22, hier 18.â©
- Vgl. âKMK: Bildungsstandardsâ, 11.â©
- âKMK: Bildungsstandardsâ, 11.â©
- âKMK: Bildungsstandardsâ, 12. Die stĂ€rkere Ăffnung des traditionellen LektĂŒrekanons auch fĂŒr andere mediale Formen (Film, Comic, etc.) schlĂ€gt sich auf fachdidaktischer Seite auch in einer Ausweitung und Ausdifferenzierung des Methodenrepertoires nieder, ebenso wie in der Entwicklung von Modellen, die auf eine gelungene Integration der Literatur in den kompetenzorientierten Fremdsprachenunterricht abzielen; vgl. z.B. Carola Surkamp, âLiterarische Texte im kompetenzorientierten Fremdsprachenunterrichtâ, in Kompetenzaufgaben im Englischunterricht: Grundlagen und Unterrichtsbeispiele, hrsg. von Wolfgang Hallet und Ullrich KrĂ€mer (Seelze: Kallmeyer-Klett, 2012), 77â90.â©
- Vgl. âKMK: Leselistenâ, https://kultusministerium.hessen.de/sites/default/files/media/hkm/la17-abiturerlass_leselisten.pdf, 2, letzter Zugriff am 09.08.2016.â©
- Vgl. âKMK : Leselistenâ, 2.â©
- Hethey, âZum Potenzial von âKlassikernââ, 18.â©
- Vgl. Hethey, âZum Potenzial von âKlassikernââ, 18.â©
- Vgl. Hethey, âZum Potenzial von âKlassikernââ, 20.â©
- Umberto Eco, âZehn Arten, vom Mittelalter zu trĂ€umenâ, in Ăber Spiegel und andere PhĂ€nomene, hrsg. von Umberto Eco, ĂŒbers. von Burkhart Kroeber (MĂŒnchen: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2001), 111â26, hier besonders 116â8.â©
- Vgl. zur Konjunktur des Mittelalters z.B. Stephanie Wodianka, âDer Artushof als Reimport: zu den erinnerungskulturellen EigentumsverhĂ€ltnissen der MatiĂšre de Bretagne in Literatur und Film seit 1945â, in Unausweichlichkeit des Mythos: Mythopoiesis in der europĂ€ischen Romania nach 1945, hrsg. von Claudia JuÌnke und Michael Schwarze (MuÌnchen: Meidenbauer, 2007), 201â18, hier 201; Ă€hnlich auch Ina Karg, â(Keine) Freude ĂŒber ein âLebenszeichenâ? Vermittlung von Mittelalter und seiner Literatur an die nachfolgende Generation im Deutschunterrichtâ, in Rezeptionskulturen: fĂŒnfhundert Jahre literarischer Mittelalterrezeption zwischen Kanon und PopulĂ€rkultur, hrsg. von Mathias Herweg und Stefan Keppler-Tasaki (Berlin und Boston: De Gruyter, 2012), 425â41, hier 425.â©
- FĂŒr den Deutschunterricht sei hier auf Ina Karg verwiesen, die in diesem Zusammenhang ebenfalls fĂŒr eine Vermittlung des Mittelalters und der mittelalterlichen Literatur im Deutschunterricht plĂ€diert; vgl. Karg, â(Keine) Freude ĂŒber ein âLebenszeichenâ?â, 425.â©
- Einen vergleichbaren Ansatz verfolgt Ana Colton-Sonnenberg mit ihrem Beitrag zum interkulturellen Lernen im Spanischunterricht der gymnasialen Oberstufe am Beispiel des Romans Malinche (Laura Esquivel), der sich auch mit einem Nationalmythos auseinandersetzt und dessen zeitlicher Bezugspunkt am Ausgang des Mittelalters liegt, vgl. Ana Colton-Sonneberg, âInterkulturelles Lernen im Spanischunterricht der gymnasialen Oberstufe am Beispiel des Romans âMalincheâ von Laura Esquivelâ, Hispanorama 128 (2010): 53â60; interessant ist ebenfalls der Beitrag von Ursula Vences, der sich auf das Schicksal der mexikanischen Ordensfrau Sor Juana InĂ©s de la Cruz im 17. Jahrhundert bezieht und darlegt, wie aktuell auch hier die Auseinandersetzung mit einem solchen Thema gerade auch in Hinblick auf interkulturelles Lernen sein kann: Ursula Vences, âUna transgresora: Sor Juana InĂ©s de la Cruzâ, Der Fremdsprachliche Unterricht Spanisch 16 (2007): 50â4.â©
- Gemeint ist nicht, dass der Forschungsschwerpunkt âGenderâ nicht auch lĂ€ngst schon Gegenstand der Fremdsprachendidaktik ist, vielmehr geht es explizit um die Thematisierung von Gender-Fragen im Unterricht, die im Moment an Bedeutung gewinnt.â©
- Ein Indiz fĂŒr das wachsende Bewusstsein um die Relevanz dieser Thematik ist beispielsweise die Working Session zum Thema âQueer- und genderorientierte ZugĂ€nge fĂŒr einen Fremdsprachenunterricht der Vielfaltâ des 26. DGFF-Kongresses im Herbst 2015. Hier findet sich die Erkenntnis, dass sich Konzepte inter- bzw. transkulturellen Lernens auch hinsichtlich der Reflexion ĂŒber die Kategorie âGeschlechtâ eignen, da auch hier eine PerspektivenĂŒbernahme oder Re-Perspektivierung von Bedeutung ist. Als Medium solcher Prozesse werden literarische Texte oder Filme empfohlen, âdie Erfahrungs- und IdentifikationsrĂ€ume schaffen und eine Thematisierung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt ermöglichen, bei der Lernende dennoch nicht unmittelbar von sich sprechen mĂŒssen.â âDGFF: 26. Kongressâ, http://kongress.dgff.de/de/freie-formate/freies-format-11.html, o.S., letzter Zugriff am 07.07.2016.â©
- Helene Decke-Cornill, Lotta König und Carola Surkamp, âNegotiating Gender: Aushandlungs- und Reflexionsprozesse ĂŒber Geschlechtervorstellungen im Fremdsprachenunterricht anstoĂenâ, Der Fremdsprachliche Unterricht Englisch 135 (2015): 2â8, hier 8.â©
- âHessische LehrplĂ€ne fĂŒr das Fach Spanischâ, https://kultusministerium.hessen.de/sites/default/files/media/go-spanisch.pdf, 44, letzter Zugriff am 11.08.2016.â©
- Vgl. âHessische LehrplĂ€ne fĂŒr das Fach Spanischâ, 44.â©
- Im Zentrum steht dabei wohl immer noch die Frage nach dem (hispanischen) Machismo, einer ĂŒbersteigerten Vorstellung von VirilitĂ€t bzw. einem auto- wie heterodestruktiven MĂ€nnlichkeitskult. Als sozialwissenschaftliches Konzept ist dieser Begriff des Machismo in den letzten Jahren vermehrt in die Kritik geraten, vgl. u.a. Matthew C. Gutmann, The Meanings of Macho (Berkeley u.a.: University of California Press, 22007), 221â42, fĂŒr die Selbst- und Fremdwahrnehmung hispanischer Kulturen scheint er aber bis auf Weiteres kaum verzichtbar. Viele der als âmachistischâ identifizierten Verhaltensmuster und Stereotype sind uns jedenfalls bei genauerer Betrachtung keineswegs so fremd, denn auch in Deutschland galt bzw. gilt StĂ€rke, Kraft, Mut, Tapferkeit als Ausweis und Beweis der eigenen MĂ€nnlichkeit im Sinne eines MĂ€nnlichkeitsideals, das man nach Connell als âhegemoniale MĂ€nnlichkeitâ erfassen oder fĂŒr unsere Zwecke etwas simpler als âVirilitĂ€tâ benennen kann; vgl. zur âhegemonic masculinityâ R.W. Connell, Masculinities (Berkeley u.a.: University of California Press, 22005), 77â8. Nicht nur âder Indianer kenntâ bekanntlich âkeinen Schmerzâ, auch noch viele heutige MĂ€nner werden sich wohl eher ungern weinend â wie der Cid als Epenheld â in der Ăffentlichkeit zeigen.â©
- Als neuspanische ProsaĂŒbersetzung kann empfohlen werden: Alfonso Reyes, Hrsg., Cantar de Mio Cid (Madrid: Espasa-Calpe, 91988). Bei Reclam liegt auĂerdem eine zweisprachige Ausgabe (Altspanisch-Deutsch) vor: Victor Millet und Alberto Montaner, Hrsg. und Ăbersetzer, Cantar de Mio Cid = Das Lied von Mio Cid (Stuttgart: Reclam, 2013). Im Folgenden beziehen sich alle Zitate aus dem Epos unter Angabe von Gesang, Strophe und Vers auf diese Ausgabe.â©
- In der Forschung wird das Weinen des Helden oft ĂŒbergangen; so kommentiert dies Leuker ĂŒberhaupt nicht, und Marcos MartĂn begnĂŒgt sich damit, die fĂŒr das Altspanische idiomatische Wendung âmit den Augen weinenâ zu erlĂ€utern, vgl. Tobias Leuker, âMittelalterâ, in Spanische Literaturgeschichte, hrsg. von Carmen Rivero Iglesias (Paderborn: Fink, 2014), 13â4; Francisco A. Marcos MartĂn, Hrsg., Cantar de Mio Cid (Madrid: Biblioteca Nueva, 1997), 168, Fn. I. Der ausgezeichnete Kommentar von Alberto Montaner bietet hingegen eine kulturgeschichtliche Einordnung des PhĂ€nomens: âLa frase [âŠ] implicaba que el llanto se reducĂa a las lĂĄgrimas, sin el acompañamiento, entonces habitual, de sollozos, voces y gestos.â Alberto Montaner, Hrsg., Cantar de Mio Cid (Barcelona: CrĂtica, 1993), 103, Fn. I. Dies bedeutet, dass der Cid sehr wohl noch als relativ gefasst portrĂ€tiert wird, da im Mittelalter offenbar weit expressivere ĂuĂerungen des Schmerzes ĂŒblich (âhabitualâ) waren.â©
- Nachzulesen in einer ĂŒberlieferten Prosafassung der verschollenen Anfangsverse, vgl. Millet und Montaner, Hrsg. und Ăbers., Cantar de Mio Cid, 10.â©
- âCidâ < sayyid (so im klassischen Arabisch; dialektal: sĂźd) â vgl. hierzu auch Montaner, Hrsg.,Cantar de Mio Cid, 101, Fn. b.â©
- Classen hĂ€lt in diesem Kontext zu Recht fest: âWe know that [âŠ] medieval laws treated rape harshly as a severely punishable act [âŠ]â, Albrecht Classen, Sexual Violence and Rape in the Middle Ages (Berlin u.a.: De Gruyter, 2011), 5, mit weiterfĂŒhrenden Literaturangaben; in den Rechtstexten des Mittelalters kann jedenfalls von Toleranz gegenĂŒber Vergewaltigern keine Rede sein.â©
- Vgl. Yi-fen Shaw, Entwicklung und Reform zur Vergewaltigung in der Ehe gemÀà § 177 StGB (Frankfurt a.M.: Peter Lang, 2005), 56â8.â©
Ill.: Filmposter Cid