Claude Lanzmann, 1925-2018

Französisch, Notizen

Kleine Presseschau zum Tod des französischen Regisseurs

Verstehen wollte er die Shoah nie, FAZ

Gerhard Midding, Aufzeichner des Unsagbaren, ZEIT

Hartwig Tegeler, „Unerträglich eindringlicher Filmemacher“: Zum Tod von Claude Lanzmann, DLF Kultur

„Shoah“-Regisseur Claude Lanzmann ist tot, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

Fritz Göttler, Vom Unsagbaren erzählen, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

»Ich wollte erfahren, wie man fünf Millionen Menschen vergast«, Interview, SÜDDEUTSCHE MAGAZIN, 26.11.2015.

Claude Lanzmann ist tot, SPIEGEL

Max Dax, Der Mann, der die Zeit besiegte, SPIEGEL

Ruth Klüger, Schaut zurück auf das Feuer!, WELT

Christiane Peitz, Die Kunst des Fragens: Claude Lanzmann zum 90.,  26.11.2015, TAGESSPIEGEL

Hommage an Claude Lanzmann, ARTE Mediathek

  • Shoah (2 Teile)
  • Vier Schwestern (1/4) – Der hippokratische Eid, Ruth Elias
  • Vier Schwestern (2/4) – Zum lustigen Floh, Ada Lichtman
  • Vier Schwestern (3/4) – Baluty, Paula Biren
  • Vier Schwestern (4/4) – Arche Noah, Hanna Marton
  • Claude Lanzmann – Stimme der Shoah

Filmexperten zum Tod von Claude Lanzmann: Es gibt „nichts Vergleichbares zu ‚Shoah'“, DLF Kultur

Franck Nouchi, Claude Lanzmann, le réalisateur de « Shoah », est mort, LE MONDE

Annette Lévy-Willard, Claude Lanzmann, une vie pour la mémoire, LIBERATION

Hommage à Claude Lanzmann, France Culture

Claude Lanzmann, Epic Chronicler of the Holocaust, Dies at 92, New York Times

Julia Pascal, Claude Lanzmann obituary, GUARDIAN

Joseph Jurt, «Die Eroberung des Mutes», in Basler Zeitung, 1. Oktober 2010, als Volltext online.

Claude Lanzmann sieht in «Shoah» keinen Film über die Überlebenden, obwohl er Überlebende zu Wort kommen lässt. Es ist «ein Film über den Tod, die Toten und die Radikalität des Todes – darüber, was passiert, wenn es absolut zu spät ist.» Darum habe er ausschliesslich Überlebende befragt, die den Sonderkommandos zugeteilt waren, «die Menschen, die Augenzeugen des letzten Kapitels des Zerstörungsprozesses gewesen waren». Das ist das grosse Thema des Films, der erzwungene Tod, der Mord. Ein Thema, das für Lanzmann nicht mit der Shoah abgeschlossen ist. Er schildert eindrücklich, wie auch heute in zahllosen Ländern verschiedene Instanzen Todesurteile vollstrecken. Während für die Generation von Malraux, Sartre, Camus und Heidegger die Tatsache, dass wir sterblich sind, das grosse metaphysische Problem darstellt, ist die Todesstrafe, die gewaltsame Verhängung des Todes von Menschen durch Menschen, für Lanzmann der grosse Skandal. Lanzmann beschäftigt dieser aufgezwungene Tod so sehr, weil er von einem unbändigen Lebenswillen erfüllt ist. «Ich liebe das Leben bis zum Es-geht-nicht-mehr. Hunderte von Leben wären mir nicht zu viel.» Claude Lanzmann stand im Gymnasium nicht zu seinem Jüdischsein; und ein jüdischer Kamerad wagte, als sie in einer Widerstandsgruppe von einem Kollaborateur bedroht wurden, nicht, sich mit der Waffe zur Wehr zu setzen. Wenn Lanzmann jetzt von Feigheit berichtet, dann plädiert er für Zivilcourage. «Eroberung des Mutes» nennt er das Thema seines Films über die israelische Armee «Tsahal» (1994). (Volltext online.)

 

Ill.: Shoah Filmplakat; UNESCO Headquarters Paris: Entretien avec Claude Lanzmann

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