Jean Bollacks Mallarmé-Betrachtungen (G. Agostini)
Giulia Agostini, âDurchgrĂŒndet vom Nichts: Ăberlegungen zu Jean Bollacks MallarmĂ©-Betrachtungenâ, Vorabdruck der Rezension fĂŒr Romanische Studien
Vorabdruck der Rezension
DurchgrĂŒndet vom Nichts
Ăberlegungen zu Jean Bollacks MallarmĂ©-Betrachtungen
Giulia Agostini (Heidelberg)
Jean Bollack, MallarmĂ©, hrsg., aus dem Französ. ĂŒbers. und Nachw. von Tim Trzaskalik, Fröhliche Wissenschaft 63 (Berlin: Matthes & Seitz, 2015), 144 S.
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Die Gewissheit, zu der MallarmĂ© wĂ€hrend seiner KrisennĂ€chte in Tournon ab 1865 gelangt, betrifft â neben der Abwesenheit Gottes â die Abwesenheit eines verpflichtenden Bezugssystems, das Werte und AbhĂ€ngigkeiten festlegt. Alles bleibt also zu tun, und vor dem Hintergrund eines Nichts neu zu tun, alle Worte werden von dieser Warte aus gezeichnet sein, sie werden auf nichts anderes mehr verweisen als auf das, was ihnen neu zu konstruieren gelingt. (145â6)
Bei diesem Zitat auf dem BuchrĂŒcken des kleinen BĂ€ndchens von Jean Bollack (1923 in StraĂburg geb. â 2012 in Paris gest.) mit dem ebenso knappen wie gewichtigen Titel MallarmĂ© handelt es sich um eine der sogenannten âX-Notenâ Jean Bollacks, einer FĂŒlle von Texten unterschiedlichster Art, an denen er bis zum Sommer 2011 arbeitete und die 2013 (bereits posthum) als politisch und literarisch motivierte, von âenzyklopĂ€dischemâ Geist inspirierte âpersönliche Summaâ unter dem bewusst an die Form eines âTagebuchsâ erinnernden Titel Au jour le jour erschienen sind.[1] Unter diesen disparaten Notizen im Zeichen des âXâ â teils mit Datum versehen, immer nummeriert und nach thematischen Gesichtspunkten verschiedenen, alphabetisch angeordneten Lemmata zugewiesen, die von âAllemagneâ zu âVaticanâ, von âHomĂšreâ zu âCelanâ, sowie von âhermĂ©neutiqueâ zu âreligionâ reichen und dabei auch Begriffe wie den des Nicht-Verstehens[2] einschlieĂen, dem fĂŒr Bollacks in der Tradition Schleiermachers stehende hermĂ©neutique oder philologie critique zentrale methodologische Bedeutung zukommt,[3] â finden sich auch eine Reihe von Texten zu MallarmĂ©.
Nun weckt allein der Name Jean Bollack, BegrĂŒnder des âCentre de recherche philologiqueâ 1967 in Lille groĂe Erwartungen. Und so wie dieser Name kritische Philologie oder Hermeneutik[4] und die ihm eigene Praxis der insistierenden LektĂŒre evoziert,[5] gesellen sich ihm augenblicklich die bedeutendsten Namen der Philosophie und Literatur der griechischen Antike (etwa Empedokles, Heraklit, Epikur, Sophokles und Euripides), wie auch der Paul Celans und Peter Szondis (dessen Celan-Studien und Vorlesungen aus dem Nachlass er bei Suhrkamp herausgab) hinzu.[6] Gesteigert werden diese Erwartungen, wenn sein Name nun wie hier nicht allein die Verbindung mit dem von ihm selbst gewĂ€hlten, dunklen ,Pseudoâ-Anonymat des âXâ (des, so Bollack, ârĂ€tselhaftesten Buchstabens des Alphabetsâ[7]) eingeht, sondern sich zudem mit dem Namen MallarmĂ©s (1842â1898), eines der gröĂten und wirkmĂ€chtigsten Dichters der europĂ€ischen Geistesgeschichte verbindet, der nicht nur als ,schwierigâ gilt, sondern sich seit jeher dem Vorwurf der ,Dunkelheitâ ausgesetzt sieht. MallarmĂ© verlangt also in ganz besonderem MaĂe nach einer lecture insistante â hatte der Dichter im vollen Bewusstsein der Notwendigkeit von ,etwas Verborgenem in unserem Innerenâ[8] (dem wiederum allein der nĂ€chtlich-dunkle Tintentropfen und gerade nicht der aus ,irgendeinem nachtlosen Tintenfassâ[9] geschöpfte Tropfen zu entsprechen vermochte) seinen Kritikern doch selbst entgegnet: âJe prĂ©fĂšre, devant lâagression, rĂ©torquer que des contemporains ne savent pas lire â | Sinon dans le journalâ.[10] Damit distanzierte er sich sowohl von einer Kritik, die sich als unfĂ€hig erwies, ĂŒber die âvaine couche suffisante dâintelligibilitĂ©[11] eines Textes hinauszugehen, als auch von einer vermeintlichen ,Literaturâ, die ihre Aufgabe darin erblickte, die Wirklichkeit im Gestus ,unerschĂŒtterlicher VordergrĂŒndigkeitâ auszustellen, sie mit solch einer Beschreibung letztlich aber ,verschleierteâ und als bloĂe ,BanalitĂ€tâ verdoppelte, ja sie nur als ,blindeâ, ,gipseneâ Kopie ,wiederauferstehenâ lieĂ.[12] MallarmĂ© hingegen galt es, diesem vordergrĂŒndig-blinden Unternehmen ohne jedwede literarische Bedeutung etwas gĂ€nzlich Anderes, ein unbestimmtes, ja letztlich unbestimmbares und damit einzig bleibendes, hintergrĂŒndiges Tun entgegenzusetzen â âTout lâacte disponible, Ă jamais et seulement, reste de saisir les rapports, entre temps, rares ou multipliĂ©sâ[13] â, verkĂŒrzt gesagt: immer aufs Neue Bedeutung zu erschlieĂen, allererst Sinndimensionen zu eröffnen.[14] Gerade Bollacks lecture insistante zielt auf die Durchdringung dessen, was MallarmĂ© die ,eitle hinreichende Schicht von VerstĂ€ndlichkeitâ nennt (die ,auch er sich zu berĂŒcksichtigen verpflichtetâ, aber eben ,nicht ausschlieĂlichâ, und wofĂŒr bei MallarmĂ© die Syntax ,garantiertâ):[15] â[âŠ] câest au prix dâune recherche insistante, transcendant lâimmĂ©diatetĂ© de la lettre, que lâon accĂšde Ă une profondeurâ.[16] Diesem methodologischen Aspekt der ,Transzendenz des Unmittelbarenâ, die erst den ,Zugangâ zu einer ,Tiefeâ ermöglicht, entspricht der gedankliche Angelpunkt auch seiner MallarmĂ©-LektĂŒren, wie ihn die eingangs zitierte âX-Noteâ zum Ausdruck bringt: Vor dem Hintergrund absoluter Kontingenz und Grundlosigkeit, âvor dem Hintergrund eines Nichtsâ, so Bollack, bleibt âalles zu tun, und neu zu tunâ, âalle Worte werden von dieser Warte aus gezeichnet sein, sie werden auf nichts anderes mehr verweisen als auf das, was ihnen neu zu konstruieren gelingt.â (146) Dabei verbindet sich die paradoxe Idee eines âfond dâun nĂ©antâ als eines ,grundlosen Grundesâ mit der Vorstellung der vollkommenen ,Neuheitâ der MallarmĂ©ÊŒschen Dichtung â muss sie doch ihren ,Ungrundâ gleichsam bestĂ€ndig selbst erschaffen â und damit ihrer bis zum heutigen Tag verkannten ,RadikalitĂ€tâ â denn, so wieder Bollack, âMallarmĂ© ist scharf, schĂ€rfer, als man ihn liest, radikalerâ (19). Diese RadikalitĂ€t ist im Wortsinne zu verstehen: MallarmĂ©s stete ErgrĂŒndung des Wesens des Grundes, die man vielleicht auch seine âexploration du nĂ©antâ nennen könnte, um hier mit einer dem Werk Celans geltenden Wendung Jean Bollacks zu sprechen,[17] erscheint als ein Grundzug des MallarmĂ©ÊŒschen Schaffens. Damit ist es auch Bollack â und dies verbindet ihn mit zahlreichen Lesern des 20. Jahrhunderts: es sei etwa an Derrida, Kristeva und Sollers erinnert[18] â um die ,Revolutionâ in der Dichtung MallarmĂ©s zu tun. Und auch diese zentrale Vorstellung von der Revolution, der die Bataille (oder vielmehr Marx und Nietzsche) entlehnte subversive, d. h. in der Tiefe, im Untergrund tĂ€tige Figur des âMaulwurfsâ korrespondiert, ist ganz wörtlich (als ,UmwĂ€lzungâ) zu verstehen, wie insbesondere Philippe Sollers mit Blick auf MallarmĂ©s Denken betont hat, ohne diesen Gedanken nĂ€her zu erlĂ€utern: âCe nâest [âŠ] pas trahir ni forcer la pensĂ©e de MallarmĂ© si lâon affirme quâil nâa finalement manifestĂ© quâune seule pensĂ©e, [âŠ] pensĂ©e formelle : celle de la rĂ©volution, dans son sens le plus littĂ©ral.â[19] Die MallarmĂ©sche Revolution ist damit also zunĂ€chst im weiten Sinne als eine ,Bewegungâ zu verstehen, was sie den anderen wesentlichen ,Bewegungenâ des MallarmĂ©ÊŒschen Werkes wie etwa der (es versteht sich: ebenfalls im Wortsinne verstandenen) der âreligionâ und der âproseâ annĂ€hert.[20]
Doch was genau zeichnet diesen MallarmĂ© aus der Feder Jean Bollacks aus, der zum einen an MallarmĂ©s berĂŒhmte Entdeckung des Nichts und zum Anderen seine auf diesem Nichts grĂŒndende (und d. h. eigentlich seine bewusst grundlos grĂŒndende) Revolution der Dichtung anknĂŒpft? Der von Tim Trzaskalik herausgegebene und mit einem reichen Nachwort[21] versehene Band versammelt sĂ€mtliche, bisher nur verstreut erschienene Arbeiten Bollacks zu MallarmĂ©, die mit Ausnahme des ersten Kapitels (âDie Dichtung und die Religion. Zu ,Toast funĂšbreââ), das bereits 2006 in einer ersten Fassung auf Deutsch veröffentlicht wurde, und des zweiten Kapitels (âZwischen zwei Sprachen, zwei KĂŒnsten. ,Prose (pour des Esseintes)ââ), das Bollack eigens fĂŒr den vorliegenden Band verfasst hat, bereits auf Französisch erschienen sind. Somit stellt dieser Band nicht nur die (ebenfalls von Tim Trzaskalik geleistete) Ăbersetzung eines bereits existenten französischen Bandes dar; vielmehr kommt ihm das Verdienst zu, Jean Bollacks Schriften zu MallarmĂ© einschlieĂlich seiner âX-Notenâ zu diesem Dichter ĂŒberhaupt erst in ihrer Gesamtheit zugĂ€nglich zu machen. Bollacks zentrale LektĂŒren befassen sich ĂŒber die beiden bereits genannten Kapitel zu âToast funĂšbreâ und âProseâ hinaus im dritten Kapitel (âVom Hinauswachsen der Dichtungâ) mit dem nicht minder berĂŒhmten Sonett âLe vierge, le vivace et le bel aujourdâhuiâŠâ. Auf das vierte Kapitel, das dem sogenannten ,Triptychonâ, den Sonetten âTout Orgueil fume-t-il du soirâŠâ (âEine Konsolidierungâ), âSurgi de la croupeâŠâ (âDer Sylpheâ) und âUne dentelle sâabolitâŠâ (âBett gegen Bett â Liebe und Kunstâ) gilt, folgen schlieĂlich die Notizen zu MallarmĂ© im Zeichen des âXâ. Diese âX-Notenâ reichen von MallarmĂ© mit Celan oder ValĂ©ry verbindenden LeseeindrĂŒcken (etwa 139 und 143â4), mehr oder weniger scharfen Kommentaren zu anderen MallarmĂ©-Kommentatoren, die den Ansatz einer Rezeptions- und Interpretationsgeschichte in sich bergen (etwa 135 ff.), [22] und der Betrachtung einiger kurzer AuszĂŒge aus MallarmĂ©s Briefen (etwa 142) bis zur feinsinnigen, spekulativ konzentrierten LektĂŒre des in die MallarmĂ©ÊŒschen PoĂ©sies nicht aufgenommenen, doch poetologisch in hohem MaĂe bedeutsamen Sonetts âToute lâĂąme rĂ©sumĂ©eâŠâ (146â150). Die Vielfalt und das Gewicht der von Bollack betrachteten MallarmĂ©ÊŒschen Texte verspricht also ein beachtliches Panorama zu bieten. Gleichwohl bleibt Bollack in seiner Auseinandersetzung mit MallarmĂ© etwas schuldig: nicht immer handelt es sich nĂ€mlich bei diesen Schriften um seiner eigenen Vorstellung vom ,insistierenden Lesenâ gemĂ€Ăe LektĂŒren. Denn wo diese LektĂŒre zunĂ€chst von einer ,unbekannten Bedeutungâ (âsens inconnuâ) ausgeht, um von einer wesentlichen âincomprĂ©hension mĂ©thodiqueâ ĂŒber eine âinterrogationâ schlieĂlich zur âjustification dâune comprĂ©hensionâ zu gelangen,[23] scheint eben die ,Rechtfertigungâ bisweilen auszubleiben. Doch selbst wenn es seinen MallarmĂ©-LektĂŒren angesichts der KomplexitĂ€t und ,Dunkelheitâ MallarmĂ©s auch nicht immer gelingen mag, dessen Dichtung zu ,erhellenâ, was doch gerade der Anspruch der Bollackschen lecture insistante ist â
Il y a une catĂ©gorie rhĂ©torique qui sâappelle lâobscuritĂ©, obscuritas. Câest celle dont nous parlons. Non pas ce qui est obscur parce quâinsondable, comme le disent les prĂȘtres. La meilleure garantie dâarriver au fond, câest dâadmettre une obscuritĂ© dĂ©chiffrable, qui explicite le problĂšme, et câest ça, la lecture insistante. La catĂ©gorie de lâobscuritĂ© est trĂšs intĂ©ressante : ce nâest pas ce qui est obscur, sombre, câest ce qui sâobscurcit pour ĂȘtre clarifiĂ©, ce qui donne Ă ce que nous appelons Ă©nigme une portĂ©e reconnue par tous les crĂ©ateurs.[24] â
so bergen sie bemerkenswerte Einsichten. Und das eigentlich Bemerkenswerte ist das spekulative (wenn spekulativ gemÀà Bollacks eigenem VerstĂ€ndnis die âStrenge eines Denkens meintâ, 122), ja das intuitive Moment seines Lesens. Zweifellos geht die Intuition fĂŒr Bollack selbst mit der Interpretation gleichsam einher, erkennt er doch die ,SubjektivitĂ€tâ eines jeden interpretatorischen Verfahrens als eine Notwendigkeit von geradezu ,fatalerâ Bedeutung an: âle problĂšme de la comprĂ©hension se pose fatalement. Les auteurs [âŠ] sâengagent: ,Voici comment jâai lu.ââ[25] Und vor dem Hintergrund der Hermeneutik Schleiermachers drĂ€ngt sich nun mit der schon erwĂ€hnten Idee des Nicht-Verstehens sogleich auch die SchleiermacherÊŒsche Vorstellung der Divination im Innern seiner Hermeneutik auf: Divination meint jenes Moment, das der Sprache vorgĂ€ngig und damit unzugĂ€nglich ist â woher die Verbindung zwischen dem âDivinatorischenâ, d. h. dem âErratenâ und den Kindern als âursprĂŒnglich[en] Erfinder[n]â rĂŒhrt,[26] und weshalb auch die Seele als âahndendes Wesenâ erscheint,[27] ja der Mensch gemÀà seiner Deutungsnatur âim Versuch, einen Gedanken auszusprechenâ eigentlich ein âmantische[r] Infan[t]â ist, wie der Philosoph Wolfram Hogrebe schreibt[28] â und somit erst die sprachliche Voraussetzung des Verstehens begrĂŒndet. Denn â[s]elbst wenn [Schleiermacher] korrekt die Sprachgebundenheit des Verstehens betontâ, so nochmals Hogrebe zu dessen âbleibende[r] Einsichtâ, âist es doch ebenso korrekt fĂŒr ihn keine Frage, dass wir die Energien unseres Verstehens aus vorsprachlichen Zonen beziehen, in die wir uns divinatorisch begeben. [âŠ] Mantik geht der Hermeneutik vorher.â[29] Dementsprechend ist auch die daraus entstehende Gewissheit des Verstehens âganz andere[r] Art [âŠ] â mehr divinatorischâ,[30] und diese ,divinatorische Gewissheitâ entzieht sich der âForm einer Demonstrationâ in der âDarstellungâ,[31] ja sie widerstrebt eben jener ,Rechtfertigungâ, die Bollack fĂŒr die Vollendung einer lecture insistante verlangt.[32] Diese mantische ,Anleiheâ der Divination, die, soviel wir sehen, im Zusammenhang mit Bollacks Praxis bisher nicht erwĂ€hnt wurde, bedeutet womöglich ihren ,blinden Fleckâ und ist gerade in MallarmĂ©ÊŒscher Angelegenheit von einigem Interesse â ist doch bei MallarmĂ© gerade von ,Divinationâ die Rede, wenn es um das Verstehen als Bezwingung des Zufalls[33] geht, ein Verstehen, das sowohl das Lesen als auch das Schreiben als kontingente, doch dabei keineswegs beliebige, komplementĂ€re Praktiken auszeichnet: âInstituer une relation entre les images exacte, et que sâen dĂ©tache un tiers aspect fusible et clair prĂ©sentĂ© Ă la divinationâ.[34] Ebenso wie diese Bezwingung des Zufalls durch das Schreiben nach einer âpuissance absolueâ wie der einer Metapher verlangt (die MallarmĂ© zudem mit einer Majuskel hervorhebt),[35] prĂ€ziser: eben nach der Stiftung einer ,exakten Beziehung zwischen den Bildernâ, so dass sich wie aus ihrer Verschmelzung ein neuer, ,augenblicklich aufleuchtenderâ und ,zum ahnenden Verstehen drĂ€ngender Aspektâ löse, so ist auch das Lesen nur deshalb ein ,ahnendes Verstehenâ zu nennen, weil es selbst auf einer Bewegung steten Verschwindens grĂŒndet.
Dieses ,divinatorischeâ Moment der Hermeneutik Schleiermachers â und der MallarmĂ©ÊŒschen Konzeption des Verstehens[36] â zeigt sich etwa in Bollacks LektĂŒre des berĂŒhmten Sonetts âLe vierge, le vivace et le bel aujourdâhuiâŠâ, das er entgegen der gelĂ€ufigen Tendenz der Auslegung nicht als ein Bekenntnis morbider Starre, geistigen Unvermögens und steriler Gefangenschaft begreift, sondern gerade umgekehrt â und dies zu recht â im Zeichen der Freiheit als eine âgeglĂŒckte Fixierungâ liest, âdie sich dem Nichts verdanktâ (88). Denn, so Bollack,
[m]it dem methodischen und willentlichen RĂŒckzug des Dichters in die Fixierung wird die Ă€sthetische Komposition zur virtuell absoluten Bedingung eines Akts der Befreiung. Es gibt keine andere Transzendenz; es gibt sie nirgendwo anders als in der Kunst. (86)
So lĂ€sst dieser indifferente âGegen-Raumâ (97) des Exils, den das Gedicht im Zeichen der NegativitĂ€t und der Freiheit eröffnet, den âCygneâ, den âSternenvogelâ als âGespenstâ â gleich einem Fabelwesen, das nicht existiert und doch ist[37] â aufscheinen. Ebenso lĂ€sst auch der nur âihm eigene Raumâ (121), das die Leere fassende, ja der Leere in ihrer NegativitĂ€t erst Gestalt verleihende GefÀà des Sonetts âSurgi de la croupe et du bondâŠâ ein anderes jener MallarmĂ©ÊŒschen Fabelwesen (den âSylphenâ) und auch die âabwesende Blumeâ der Dichtung gleichsam unsichtbar sichtbar werden, wie Bollack in neuerlicher ,Divinationâ (und entgegen der gelĂ€ufigen MallarmĂ©ÊŒschen ,doxaâ) erahnen lĂ€sst:
[âŠ] auch hier ist [âŠ] darauf zu beharren, dass die abwesende Blume gerade im und durch das Versiechen zur BlĂŒte gelangt. Die Geburt ereignet sich an dieser von allen anderen unterschiedenen StĂ€tte, abgetrennt von jeglicher Wahrnehmung. In seinem ihm eigenen Raum bringt das Wort die Sache, die von ihm ausgesprochen wird, aufs Neue hervor; oder es erschafft sie. (121)
Immer geht es Bollack also um ein âandernortsâ (150), einen âanderen Raumâ (148), wie auch seine dichte âX-Noteâ zu âToute lâĂąme rĂ©sumĂ©eâŠâ zeigt. Diesen Raum, den man in der Folge Blanchots nur espace littĂ©raire wird nennen können, zeichnet das gleiche Moment der Unbestimmtheit aus, das bereits die erwĂ€hnten LektĂŒren Bollacks erahnen lieĂen â geht es doch gemÀà dem Schlussvers gerade hier um âta vague littĂ©ratureâ, jene littĂ©rature, die bereits ihre eigene âratureâ (so im vorletzten Vers), ihre eigene Streichung in sich trĂ€gt (149) und deren (polyseme) ,vageâ Natur wiederum eine vielfĂ€ltige âĂffnungâ (von der Bewegung der ,Wogeâ ĂŒber die ,unbestimmte Leereâ [von vacuus] bis zum ,Vagabundierenâ [von vagari]) einschlieĂt. Denn dieser andere MallarmĂ©ÊŒsche Raum der Dichtung wirft immer von Neuem die Frage nach dem Wesen des Grundes auf, jenes indifferenten Ungrundes,[38] auf dem Differenz und Bedeutung allererst aufscheinen, also die ,Wirklichkeitâ in ihrer Undurchdringlichkeit erst âdurchlĂ€ssigâ wird und âSinn [sich] manifestiertâ (150), wobei in Bollacks eigener Rede von der im Gedicht sich vollziehenden âTeilungâ (148) die âUr-Teilungâ Hölderlins nachklingt.[39] Als eine solche hintergrĂŒndige Distinktionsdimension (Hogrebe) ist der andere Raum der Dichtung â mit dem Vers Celans gesprochen â âdurchgrĂŒndet vom Nichtsâ[40], ja mehr noch nicht einmal vom Nichts. Denn die Dichtung MallarmĂ©s bezeugt keine negative Erfahrung, sondern vielmehr die stete Erfahrung grundlos grĂŒndender NegativitĂ€t, ja die Erfahrung der Freiheit in gleichsam wissender ,Komplizenschaftâ mit derselben.
Als wahrer ,Mantikerâ liest Bollack dann auch die âSpurenâ, die der âFlug der Vögel in Celans [und MallarmĂ©s] Gedichten hinterlĂ€sstâ (139), und deutet dabei den ,Flugâ des Textes selbst, den das Sonett âToute lâĂąme rĂ©sumĂ©eâŠâ vollzieht (âA la lĂšvre vole-t-ilâ), als ,Zeugnisâ eines ,Gelingensâ und einer ,Vollendungâ. Worin könnten nun ,Gelingenâ und ,Vollendungâ bestehen, wenn nicht in der Transparenz des Gedichts, das seinen eigenen â ebenso transparenten â inexistenten Hintergrund als Distinktionsdimension erscheinen lĂ€sst, wie es der âtransparent glacier des vols qui nâont pas fuiâ aus dem bereits genannten Sonett des Cygne zu bedeuten scheint? Denn fĂŒr Bollack steht auĂer Frage, dass es sich bei diesen ,FlĂŒgen, die nicht flohenâ um die âManifestation eines Gelingensâ (â[âŠ] sie sind eben geflogen, ohne zu fliehenâ (88)) handelt, auch wenn die Idee der Transparenz, wie wir sie hier verstehen, nicht zur Sprache kommt, gleichsam implizit bleibt. Zeigt nicht gerade der unter der OberflĂ€che des undurchdringlichen ,Reifsâ (âsous le givreâ) verborgene transparent-hintergrĂŒndige ,Gletscher der FlĂŒge, die nicht flohenâ, d.h. zeigen nicht die unter der (sichtbaren und undurchdringlichen) OberflĂ€che verborgenen schattenhaft-transparenten Spuren dieser VogelflĂŒge, die diese im Hintergrund stets begleiten (d. h. sie nicht ,fliehenâ) und sie damit erst zur Existenz fĂŒhren, dass es gilt, die Dichtung selbst âdurchlĂ€ssigâ zu machen? Dies legt auch Peter Handke, der Dichter unserer Zeit, nahe, wenn er schreibt, dass der âĂŒber die Wand zuckende Schatten eines Vogels [âŠ] den Text begleiten und durchlĂ€ssig machen [sollte]â.[41] Als Leser Celans weiĂ Bollack um die Bedeutung eines solchen Schattens im Hintergrund. Denn auf ihm grĂŒndet ,Wahrheitâ: â,Dit vrai qui dit les ombresâ, et donc aussi: Qui dit vrai, dit les ombres. Lâombre est comme une contrepartie obligĂ©e [âŠ], mode dâĂȘtre des mots, incluant le non-ĂȘtre, qui a ses lois.â[42] Sogleich fragt sich, was genau diese durch den Schatten bedingte ,Wahrheit des Wortesâ bedeuten mag. Weist diese ,Wahrheitâ nicht erneut auf die von Bollack an keiner Stelle berĂŒhrte, doch (wenn wir ihn hier nicht missverstehen) immer schon implizit mitgegebene DurchlĂ€ssigkeit des Wortes selbst, derer der âSchattenentblöĂteâ[43] gerade entbehrt? Darauf mag Bollacks Betrachtung des Auszugs eines Briefs deuten, den MallarmĂ© im Jahr 1866, also wĂ€hrend der Zeit seiner Entdeckung des Nichts, an ThĂ©odore Aubanel schrieb. Obgleich sich Bollack diesem dichten zukunftsweisenden, geradezu MallarmĂ©s Poetik vorwegnehmenden Passus mit feinfĂŒhliger Aufmerksamkeit zuwendet, wobei er in MallarmĂ©s âWeben der Worteâ (142) seine Ăberwindung der Beliebigkeit und des Zufalls erkennt, entgehen ihm gerade die dort (erstmals) erscheinende Metapher der âSpitzeâ, die sich bei MallarmĂ© spĂ€ter zur Metapher par excellence des dichterischen Gebildes (man denke hier nur an den âpli de sombre dentelleâ aus seiner Schrift âLâaction restreinteâ[44]), ja der Metapher der Literatur in ihrer diaphanen HintergrĂŒndigkeit verdichtet, wie auch der ebenfalls schon dort angelegte Aspekt der Divination: â[âŠ] je tisserai [âŠ] de merveilleuses dentelles, que je devine [âŠ]â[45]. Und so mag es nun nicht ĂŒberraschen, dass Bollack völlig zu verkennen scheint, welche Funktion der MallarmĂ©ÊŒschen Metapher â gegenĂŒber Celans ZurĂŒckweisung derselben â ĂŒberhaupt zukommt, und dies, obwohl er in eben diesem CelanÊŒschen Zusammenhang gleichsam ,intuitivâ von der ,absoluten Autonomie der Wörterâ bei MallarmĂ© spricht.[46] Somit scheint aber auch ihre Ab-solutheit im Wortsinne (d. h. insofern sie von der Unterscheidung zwischen Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit losgelöst ist, sich also bestĂ€ndig im Zwischen bewegt und als sprachliches ,Zeichenâ der Indifferenz fungiert), wie das Ab-solute der MallarmĂ©ÊŒschen Dichtung ĂŒberhaupt (und damit der ihrem Wesen mit Notwendigkeit eigene Aspekt der Divination), ja scheint das Absolute, das MallarmĂ©s unĂŒbertroffene Revolution zuerst und immer schon auch bedeutet, noch unverstanden.
Womöglich liegt das Interessante an Jean Bollacks MallarmĂ©-Betrachtungen gerade in diesem ihrem divinatorischen Moment, ja vielleicht weist die uneingestandene Mantik im Innern seines hermeneutischen Unternehmens bisweilen gar auf das âFinden des einen, ihrem Gegenstand gerechten Angelpunktesâ, auf das, was â mit Peter Handke gesprochen â âauch ,Visionâ heiĂen d[arf]â.[47]
- So Bollacks eigene EinschĂ€tzung des Bandes, vgl. sein Vorwort zu Jean Bollack, Au jour le jour (Paris: PUF, 2013), 1. Der oben zitierte Text findet sich hier im franz. Original auf Seite 546 unter der Kennzeichnung X 2798, 25 II 2010. â
- âLa non-comprĂ©hension dâun texte est un stade essentiel de sa comprĂ©hension. Elle Ă©carte les attentes figĂ©es. Elle ne se suffit Ă©videmment pas, et est entraĂźnĂ©e plus loin. La volontĂ© lâa prĂ©cĂ©dĂ©e et, sur cette voie, elle a gagnĂ© un avantage, lâavance dâun contenu promis.â Bollack, Au jour le jour, s. v. âIncomprĂ©hensionâ, X 1006, undatiert, 419. â
- Vgl. Jean Bollack, âPar lâĂ©nigme, la clartĂ©: entretien avec Jean Bollackâ, in La lecture insistante: autour de Jean Bollack, hrsg. von Christoph König und Heinz Wismann, Colloque de Cerisy (Paris: Albin Michel, 2011), 17. Vgl. ferner folgende BeitrĂ€ge der Bollack gewidmeten Sondernummer âLâart de lire de Jean Bollackâ, Critique 672 (mai 2003): Denis Thouard, âLâenjeu de la philologieâ, 346â59: â[âŠ] Ne rien prĂ©supposer que le langage de lâĆuvre, câest partir de lâaveu dâun non-savoir radical, puisque tout doit ĂȘtre tirĂ© du texte. Câest pourquoi lâon ne peut apprendre Ă lire quâen lisant [âŠ]. Lâimmersion dans lâĆuvre serait ainsi le premier moment de la comprĂ©hensionâ, 352. (Denis Thouard bezieht sich bei seiner Charakterisierung der BollackÊŒschen Praxis auf einen berĂŒhmten Grundsatz der Hermeneutik Schleiermachers: âAlles Vorauszusetzende in der Hermeneutik ist nur Sprache.â), sowie Pierre Judet de la Combe, âInterprĂ©tation et poĂ©sie critiquesâ, 317â31. â
- Vgl. zur BegriffsklĂ€rung Pierre Judet de la Combe, âInterprĂ©tation et poĂ©sie critiquesâ, Critique 672 (mai 2003): 317â20. â
- Vgl. hierzu den Tagungsband König und Wismann, Hrsg., La lecture insistante. â
- Es sei hier nur an folgende Arbeiten Bollacks erinnert: seine Empedokles-Trilogie (Paris: Minuit, 1965â69), 1992 in neuer Auflage bei Gallimard; HĂ©raclite ou La sĂ©paration, avec Heinz Wismann (Paris: Minuit, 1972); La PensĂ©e du plaisir. Ăpicure. Textes moraux, commentaires (Paris: Minuit, 1975); La GrĂšce de personne: les mots sous le mythe, (Paris: Seuil, 1997); La Mort dâAntigone: la tragĂ©die de CrĂ©on (Paris: PUF, 1999); Sens contre sens: comment lit-on? Entretiens avec Patrick Llored (VĂ©nissieux: La Passe du vent, 2000); PoĂ©sie contre poĂ©sie: Celan et la littĂ©rature (Paris: PUF, 2001); LâĂcrit: une poĂ©tique dans lâĆuvre de Paul Celan (Paris: PUF, 2003). Hinzu kommen die bedeutenden Sophokles-, Euripides- und Aischylos-Ăbersetzungen zusammen mit seiner Frau Mayotte Bollack fĂŒr die Ăditions de Minuit. â
- So nochmals im Vorwort zu Bollack, Au jour le jour, 1. â
- â[Q]uelque chose dâocculte au fond de tousâ. âLe MystĂšre dans les Lettresâ, in StĂ©phane MallarmĂ©, Ćuvres complĂštes, Bd. II, hrsg. von Bertrand Marchal, BibliothĂšque de la PlĂ©iade (Paris: Gallimard, 2003), 229; diese Ausgabe wird im Folgenden mit der Sigle OC II zitiert. â
- Der âgoutte dâencre apparentĂ©e Ă la nuit sublimeâ (vgl. âVilliers de lâIsle-Adamâ, OC II, 23), auch âgoutte [âŠ] de tĂ©nĂšbresâ (vgl. âLâaction restreinteâ, OC II, 215) steht der Tropfen aus dem âencrier sans Nuitâ (vgl. âLe MystĂšre dans les Lettresâ, OC II, 230) gegenĂŒber. â
- MallarmĂ©, âLe MystĂšre dans les Lettresâ, 234. â
- MallarmĂ©, âLe MystĂšre dans les Lettresâ, 230. â
- MallarmĂ©, âLe MystĂšre dans les Lettresâ, 231. Vgl. in diesem Zusammenhang Bertrand Marchals Replik auf Bollacks Praxis der lecture insistante, seine eigene lecture insistante der âScĂšneâ von MallarmĂ©s HĂ©rodiade: âLa ,ScĂšneâ dâHĂ©rodiade de MallarmĂ©: une lecture insistanteâ, in König und Wismann, Hrsg., La lecture insistante, 241â54. â
- StĂ©phane MallarmĂ©, âLa Musique et les Lettresâ, OC II, 68. â
- Vgl. hierzu Verf., bes.: âDie Wahrheit des Augenblicks: MallarmĂ© und die Kontingenzâ, in Der lyrische Augenblick: eine Denkfigur der Romania, hrsg. v. Michael Bernsen und Milan Herold, Mimesis (Berlin: De Gruyter, 2015), 263â84 und â,âŠquelque chose dâautre que les calices susâ: le savoir poĂ©tique du non-savoir chez MallarmĂ©â, in Literatur als philosophisches Erkenntnismodell: literarische und philosophische Diskurse in Deutschland und Frankreich, hrsg. von Sebastian HĂŒsch und Sikander Singh (TĂŒbingen: Francke, 2016), 218â35. â
- MallarmĂ©, âLe MystĂšre dans les Lettresâ, 230, sowie 233â4. â
- Bollack, âPar lâĂ©nigme, la clartĂ©â, 18. â
- Denn auch der Abgrund hat seine âTopographieâ. Bollack, LâĂcrit, 49. â
- Vgl. hierzu Jean-François Hamel, Camarade MallarmĂ©: une politique de la lecture (Paris: Les Ăditions de Minuit, 2014), sowie die kritische Auseinandersetzung mit Hamel: Vf., âLa rĂ©volution mallarmĂ©enne: politique et poĂ©tiqueâ, Ătudes littĂ©raires 46, Nr. 3 (2015), im Ersch. â
- Philippe Sollers, âLittĂ©rature et totalitĂ©â, in Logiques (Paris: Seuil, 1968), 117. â
- Vgl. nochmals Verf., â,âŠquelque chose dâautre que les calices susââ, 218â35. â
- Tim Trzaskalik skizziert das ursprĂŒnglich fĂŒr den vorliegenden Band geplante BollackÊŒsche Projekt einer Interpretationsgeschichte MallarmĂ©s im Deutschen, besonders in seiner Auseinandersetzung mit Stefan George und Gottfried Benn sowie Hugo Friedrich. Sowohl die Dichter als auch der Philologe, so Trzaskalik, entschĂ€rfen und verkennen in Bollacks Sicht die RadikalitĂ€t MallarmĂ©s, insofern sie nicht der âOntologisierungâ des Nichts zu widerstehen vermögen (etwa 159 und 161). Damit verfallen sie aber nur einer neuerlichen Bestimmung (nĂ€mlich des Nichts als Etwas), fĂŒhren also die âNegativitĂ€tenâ in MallarmĂ©s Gedichten âauf ein âMisslingenââ zurĂŒck (vgl. 175). Somit verwechseln sie, wenn wir dies hier richtig verstehen, MallarmĂ©s fundamentale NegativitĂ€t mit einer bloĂen Negation: denn Nichts heiĂt fĂŒr MallarmĂ© nicht einmal Nichts und weist auf einen indifferenten Grund, auf dem Differenz und Bedeutung erst aufscheinen. â
- Die manche seiner LektĂŒren einleitenden oder begleitenden Ăberlegungen zur Praxis der Auslegung, seine mitunter unerbittlichen Diatriben gegen andere Exegeten irritieren bisweilen den Leser. Bollack selbst reagiert mit allzu menschlicher Empfindlichkeit auf die Nichtbeachtung seiner Arbeiten und fĂŒhlt sich gar [auch im französischen Original auf Deutsch] âtot[geschwie]genâ, wie er in seiner Notiz âX 1924â unter dem Stichwort âIncomprĂ©hensionâ (!) selbstironisch (?), doch nicht ohne Bitterkeit festhĂ€lt, Au jour le jour, 419â20). â
- Bollack, âPar lâĂ©nigme, la clartĂ©â, 17. â
- Bollack, âPar lâĂ©nigme, la clartĂ©â, 17â8. â
- Bollack, âPar lâĂ©nigme, la clartĂ©â, 18. Vgl. in diesem Zusammenhang auch Sartres treffende Ăberlegungen zur ,ObjektivitĂ€tâ â mit Notwendigkeit âdĂ©formĂ©eâ und ârĂ©velĂ©eâ zugleich â einer jeden Kritik, hier der eines groĂen, von Sartre anerkannten MallarmĂ©-Lesers, Maurice Blanchot: âLes habitudes mentales et lâaffectivitĂ© dâun critique servent de ,rĂ©vĂ©lateursâ, prĂ©parent lâintuition. La conjecture, vraie ou fausse, sert Ă dĂ©chiffrer. Vraie, elle est remplie par lâĂ©vidence, fausse, elle sâefface en indiquant dâautres chemins.â Jean-Paul Sartre, Saint-Genet comĂ©dien et martyr (Paris: Gallimard, 1952), 622, Anm. 1. â
- Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, Hermeneutik und Kritik, mit einem Anhang sprachphilosophischer Texte Schleiermachers, hrsg. und eingel. von Manfred Frank (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1977), 366â7, 318. â
- Schleiermacher, Hermeneutik und Kritik, 327. â
- Wolfram Hogrebe, Metaphysik und Mantik: die Deutungsnatur des Menschen (SystĂšme orphique de IĂ©na) (Berlin: Akademie Verlag, 2013), 275. â
- Hogrebe, Metaphysik und Mantik, 274, 277. â
- Schleiermacher, Hermeneutik und Kritik, 318. â
- Schleiermacher, Hermeneutik und Kritik, 318. â
- Dies ist jedoch fĂŒr Schleiermacher âkeineswegs zum Nachteil solcher Entdeckungen gesagtâ, fĂŒr den hier âBehaupten weit mehr ist als Beweisenâ. Vgl. Schleiermacher, Hermeneutik und Kritik, 318. â
- Vgl. MallarmĂ©, âLe MystĂšre dans les Lettresâ, 234, sowie MallarmĂ©, âCrise de versâ, OC II, 213. â
- MallarmĂ©, âCrise de versâ, 210. â
- MallarmĂ©, âLa dĂ©claration foraineâ, OC II, 96. â
- Vgl. hier auch Verf.: âHermĂ©neutique de la contingence: MallarmĂ© et Gadamerâ, Germanisch-Romanische Monatsschrift 65, Nr. 3 (2015): 317â33. â
- Vgl. nochmals Verf., â,âŠquelque chose dâautre que les calices susââ, bes. 230 und 233. â
- Vgl. hier auch Martin Heidegger, Vom Wesen des Grundes [1949], Frankfurt a. M. 81995, bes. 53â4: âDie Freiheit ist der Grund des Grundes.â Denn der âGrund hat sein Un-wesen, weil er der endlichen Freiheit entspringtâ (53). Und so ist das âUnwesen des Grundesâ auch eigentlich der (SchellingÊŒsche) Ungrund, der ânie beseitigtâ wird (54), ja der stets im Hintergrund ist. â
- Vgl. Johann Christian Friedrich Hölderlin, âSeyn und Urteilâ, in Theoretische Schriften, hrsg. v. Johann Kreuzer (Hamburg: Meiner, 1998), 7â8. Vgl. hierzu Dieter Henrich, Der Grund im Bewusstsein: Untersuchungen zu Hölderlins Denken (1774â1775) (Stuttgart: Klett-Cotta, 1992). â
- Vgl. Paul Celan, âWirk nicht vorausâ in: Lichtzwang, Gedichte II (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1975), 328; vgl. ferner Bollack, LâĂcrit, 50. â
- Peter Handke, Nachmittag eines Schriftstellers (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1987), 7. â
- So Bollack, Paul Celans Vers âWahr spricht, wer Schatten sprichtâ â vgl. âSprich auch duâ, in Von Schwelle zu Schwelle, Gedichte I (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1975), 135 â zitierend, in Bollack, LâĂcrit, 34. â
- Vgl. nochmals Celan, âSprich auch duâ, in Von Schwelle zu Schwelle, 135. â
- âLâaction restreinteâ. OC II, 215. â
- OC I, 704â 5, unsere Hervorhebung. â
- Bollack, LâĂcrit, 34â5. â
- â[Vision] so wie bei jedem anderen Werkâ. Handke, Nachmittag eines Schriftstellers, 34â5. âWas aber h[eiĂt] ,Werkâ?â Diese Frage beantwortet Handke selbst wie folgt: âEin Werk [âŠ] war etwas, bei dem das Material fast nichts war, das GefĂŒge fast alles; etwas, das im Stillstand, ohne besonderes Schwungrad, in Bewegung war; bei dem alle Elemente einander in Schwebe hielten; das offen war, jedermann zugĂ€nglich, durch Gebrauch nicht abnutzbarâ, 27â8. â
Ill.: Edouard Manet, Stéphane Mallarmé