Romanistik in Bewegung

BeitrÀge, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch

Julian Drews, Anne Kern, Tobias Kraft, Benjamin Loy u. Marie-Therese MĂ€der, „Romanistik in Bewegung: ĂŒber die Freiheit zur Philologie“, Romanische Studien 5 (2016), Vorabdruck.

Vor dem Hintergrund der tradierten Analysekategorien und der Institutionengeschichte beziehen junge wie etablierte Romanistinnen und Romanisten in diesem Band Position zu ihrer eigenen TĂ€tigkeit und zu den AnsprĂŒchen an das eigene Fach. In der Aushandlung von ambivalenten HerkĂŒnften, gegenwĂ€rtigen Möglichkeiten und denkbaren ZukĂŒnften stellen sich die Beitragenden deshalb die Frage der Relevanz: Was ist der Beitrag, was ist die Aufgabe der Romanistik in den gegenwĂ€rtigen literatur- und kulturwissenschaftlichen Debatten und ihren gesellschaftlichen Funktionen?

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags und der Herausgeber/innen aus:

Romanistik in Bewegung: Aufgaben und Ziele einer Philologie im Wandel, hrsg. von Julian Drews, Anne Kern, Tobias Kraft, Benjamin Loy und Marie-Therese MÀder (Berlin: Kadmos, 2016), 304 S.

Kaum eine geisteswissenschaftliche Disziplin hat in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten mit einer vergleichbaren Verve das Genre der Selbstbefragung kultiviert wie die Romanistik.1 So könnte man mit Kai Nonnenmacher zurecht die Frage stellen, welche Funktion vor dem Hintergrund dieser disziplinĂ€ren Tradition, aber auch der generellen Tendenzen des gegenwĂ€rtigen Wissenschaftssystems „die Textsorte Quo vadis zwischen Vergangenheitskritik, Gegenwartsanalyse und Zukunftsplanung des eigenen Fachs [noch] haben [kann]“.2 Und tatsĂ€chlich ist die Fachdebatte zwischen HerkĂŒnften und ZukĂŒnften der Romanistik insofern erklĂ€rungsbedĂŒrftig, als sie auf zwei grundlegende, aporetisch anmutende und eng miteinander verbundene Eigenschaften des Fachs verweist, die Hans Ulrich Gumbrecht in seiner affektiven Wesensbestimmung der Disziplin herausgestellt hat:

[D]ie Romanistik [hat] ĂŒber lange Zeit ihre so erstaunliche intellektuelle Energie aus Situationen der Sehnsucht gewonnen […], aus Sehnsucht nach Verlorenem und aus Sehnsucht nach Unerreichbarem.3

Dieser romanistischen Sehnsucht wohnt stets eine Abwesenheit inne, eine doppelte Verschobenheit, die sowohl zeitlicher als auch rĂ€umlicher Natur ist. Geboren aus dem Geist der deutschen Romantik und vor dem konkreten historischen Hintergrund der napoleonischen Besatzung, begleitet die Institutionalisierung der Romanistik die Herausbildung des Nationalstaats. Zugleich war und ist die Perspektive des Fachs nationenĂŒberschreitend-vergleichend angelegt. Der Ursprung (und damit dasjenige Element, das die Begrenzung dieser Perspektive begrĂŒndet) liegt dabei bekanntermaßen in der lateinischen Sprache und dem europĂ€ischen Mittelalter. Aus dieser Geschichte gewinnt der Einheitsgedanke der Romanistik seine Kraft, welcher sich bis in die gegenwĂ€rtigen Debatten hinein wiederum als ein raum-zeitliches PhĂ€nomen prĂ€sentiert. Dieses ist in zweierlei Hinsicht problematisch und ruft zwei im Gegensatz zueinander stehende Interpretationslinien bezĂŒglich der ZukunftsfĂ€higkeit des Fachs auf: Auf der einen Seite steht die Klage um den Verlust der historischen Perspektive4 sowie die Kritik an der permanenten (kultur-)rĂ€umlichen Entgrenzung des Fachs. FĂŒr einen Teil der romanistischen Fachwelt folgt hieraus eine bis zur Auflösung hinreichende Krise der Disziplin.5 Auf der anderen, der optimistischeren Seite, wird eben diese „scheinbare konzeptuelle UnschĂ€rfe als besonders geschĂ€rftes und einzigartiges Profil, kurzum als Alleinstellungsmerkmal“ gewertet.6 Dies wird begrĂŒndet durch die VorzĂŒge einer „Disziplin, die dank ihrer Vielsprachigkeit und der KomplexitĂ€t multi-, inter- und transkultureller Beziehungen innerhalb wie außerhalb der traditionellen Grenzen der Romania besser als jede andere philologische Disziplin auf die Diskussion entscheidender GlobalisierungsphĂ€nomene der vergangenen Jahrhunderte wie der Gegenwart vorbereitet ist“.7

Es kann in dieser Einleitung nicht darum gehen, die jeweiligen Positionen in ihrer Gesamtheit darzustellen, geschweige denn abschließend zu bewerten. Doch steht außer Zweifel, dass sie als ererbter Problemhorizont und Institutionengeschichte immer schon den diskursiven Hintergrund bilden, vor dem sich auch die BeitrĂ€ge des vorliegenden Bandes situieren und zu dem sie sich auf die eine oder andere Weise verhalten. In diesem Sinne scheint es geboten, hier auf zwei grundlegende Punkte einzugehen, die sowohl fĂŒr die fachinternen Debatten der letzten Jahre als auch die Ausrichtung der hier versammelten AufsĂ€tze bzw. die ihnen vorausgehenden Diskussionen bedeutsam waren.

Der erste Punkt bezieht sich auf das bereits angesprochene PhĂ€nomen der Entgrenzung: Getrost darf wohl die Tatsache konzediert werden, dass die von Auerbachs Diktum der „Erde als philologischer Heimat“8 ausgehende Hinwendung der Philologien im Allgemeinen und der Romanistik im Besonderen zur globalisierten Welt zu einer auch institutionellen RealitĂ€t geworden ist. Dass es vor diesem Hintergrund nicht nur um eine simple thematische Erweiterung der Perspektive gehen kann, sondern diese mit einer theoretischen Fundierung und einer Entwicklung adĂ€quater Beschreibungskategorien einhergehen muss, hat die romanistische Literaturwissenschaft in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen.9 Gleichwohl scheint aus der Anerkennung dieser grundlegenden Welthaltigkeit der Romanistik nicht automatisch eine Verabschiedung des auf dem lateinischen Ursprung fundierten Einheitsgedankens bzw. der Zentralstellung Europas als romanistischem Kerngebiet zu erfolgen.10 Jenseits der bekannten und hier nicht noch einmal aufzurufenden Konfrontationslinien hinsichtlich dieser Entgrenzungsproblematik stellt sich die Frage nach der prinzipiellen Notwendigkeit und Verfasstheit einer existenzbegrĂŒndenden Genealogie des Fachs. Was sprĂ€che etwa dagegen, die ursprĂŒngliche einheitskonstituierende Perspektive der Disziplin auf dem Grund des lateinischen Erbes etwa um eine zweite SĂ€ule zu erweitern: um jene nĂ€mlich der seit 1492 angelegten (und seither stets problematischen) GlobalitĂ€t der romanischen Welt? Denn wĂ€hrend die lateinische SĂ€ule ganz offensichtlich in der Gegenwart durch die Macht des Faktischen in Form von sich verĂ€ndernden Bildungsprogrammen und Welterfahrungen massiv unter Druck gerĂ€t, bietet die zweite eine neue Rechtfertigungsgrundlage der Romanistik und gibt dem Fach damit ein historisch und erkenntnistheoretisch fundiertes Alleinstellungsmerkmal an die Hand. Zur Sicherung seines Überlebens im institutionellen Kanon kann es ebenso viel beitragen wie zur Erneuerung seiner (auch affektiven) Legitimationsstrukturen.11 Könnte sich nicht eine offensiv auf ihr globales Erbe grĂŒndende Romanistik als eine selbstbewusste Disziplin neu etablieren, die sich mit einer gegenĂŒber den Nationalphilologien völlig unstrittigen SelbstverstĂ€ndlichkeit befĂ€higt sieht, in den Dialog mit anderen global orientierten Disziplinen unserer Zeit zu treten und dabei ihre romanistische Perspektive einzubringen? Es sei hier ausdrĂŒcklich betont, dass eine so verstandene Welthaltigkeit der Romanistik keineswegs den Ausschluss von Europa bedeuten kann und darf. Es gibt kein Primat der höchsten geographischen oder kulturellen Distanz. Europa ist natĂŒrlich weiterhin ein zentrales Untersuchungsfeld romanistischer Studien. Die gegenwĂ€rtigen Krisen der Idee und des politischen Modells Europa beweisen, wie dringlich jenseits der Reduktion auf ökonomische Argumente eine offensive Verfechtung und ErklĂ€rung der gemeinsamen, aber auch differenten Vorstellungen von Europa aus den divergierenden historischen und kulturellen Perspektiven des Kontinents heraus ist. Gerade deshalb ist es merkwĂŒrdig, dass die Romanistik zwar stolz ist „auf ihre kulturelle Leistung als Vermittlerin wie auch ihre Leistung im Dienst eines europĂ€ischen GedĂ€chtnisses“,12 zum öffentlichen Diskurs der europĂ€ischen „Krise“ in den vergangenen Jahren aber kaum etwas zu sagen wusste.13 Eben hier sollte und muss die Romanistik unserer Zeit sich angesprochen fĂŒhlen und informiert Positionen beziehen können, historische BezĂŒge artikulieren, Debatten schĂ€rfen – und dies eben vor dem Hintergrund der gebotenen Probleme und nicht primĂ€r als Grundlage einer erneuerten Verortung der Disziplin im Sinne ihres europĂ€ischen Ursprungs.

Der zweite Punkt, welcher mit dem PhĂ€nomen der Entgrenzung eng zusammenhĂ€ngt, betrifft die Frage der historischen Perspektive, bezĂŒglich derer sich abermals die Pole von Herkunft und Zukunft der Disziplin ĂŒberlagern. Die Rolle der Geschichte als Element von BegrĂŒndungsdiskursen innerhalb der Fachdiskussion verdient eine gesonderte Betrachtung, und das jenseits der Debatte, inwiefern eine wahlweise als zunehmende historische Selbstvergessenheit oder notwendige Transgression bestimmter historisierender Perspektiven beschriebene Entwicklung der Romanistik ihre Zukunfts(un)fĂ€higkeit beeinflusst. Die Relevanz dieser Frage hat jĂŒngst noch einmal Andreas Kablitz aufgeworfen, als er mit Blick auf die Romanistik darauf verwies, dass die KlĂ€rung des VerhĂ€ltnisses der Disziplin zur Geschichte wesentlich ist, „[d]enn schon ihr disziplinĂ€rer Zuschnitt, die Kombination der Untersuchung mehrerer Sprachen und Literaturen, lĂ€sst sich letztlich nur historisch begrĂŒnden“.14 FĂŒr Kablitz erwĂ€chst das gegenwĂ€rtige LegitimitĂ€tsdefizit, das er den Geisteswissenschaften insgesamt bescheinigt, aus eben jenem „Systemfehler“, der mit der Verschiebung von der historischen zur systematischen Perspektive seinen Anfang nimmt, wobei letztere „ihrerseits zur dominanten theoretischen Ausrichtung philologischer Forschung [wurde]“.15 Hier wie auch in der an anderer Stelle dargelegten Kritik am Methodenpluralismus der Literaturwissenschaft werden durchaus problematische Punkte philologischen Arbeitens in der Gegenwart benannt.16 Allerdings scheint das „Verschwinden der Geschichte“ sich auf ein bestimmtes VerstĂ€ndnis historisch arbeitender Hermeneutik zu beziehen, die nach Kablitz „eine theoretische Perspektive mit einem Kulturmodell humaner SelbstverstĂ€ndigung [verband]“.17 Jedoch muss man fragen, inwiefern die Philologien in ihrer historischen Entwicklung ĂŒberhaupt als modellhafte IdeentrĂ€gerinnen im Dienste eben jener humanen SelbstverstĂ€ndigung angesehen werden können. Genau diesen disziplinhistorisch schmerzhaften Fragen aber hat sich (auch und gerade) die romanische Philologie in den vergangenen Jahren mit Nachdruck gestellt, wenn sie, um mit Markus Messling zu sprechen, der Problematik nachgegangen ist, inwiefern „die europĂ€ischen Philologien nicht eine moralisch stark verbrauchte Wissenschaft [sind], deren Aussagekraft ĂŒber die sprachlichen Grundlagen und kulturellen Formen des menschlichen Lebens nachhaltig diskreditiert ist“.18

Das Nachdenken ĂŒber Geschichtskonstitution und die Geschichtlichkeit der Institution Romanistik bzw. der Philologie ist, ebenso wie die Frage nach den ModalitĂ€ten des Geschichte-Werdens von ZeitphĂ€nomenen ĂŒberhaupt, also keineswegs ad acta gelegt. Sollte Philologie als akademische Praxis und Lehre noch gesellschaftlich in diesem Sinne wirken wollen, so hĂ€tte sie wenigstens die Bringschuld verbindlicher LektĂŒren einzulösen. Ist Literaturgeschichte – auch im Plural – nicht jenes Surrogat der Kulturgeschichte, das uns erlaubt, die Auswahl der wichtigsten oder doch wichtigeren Texte zu benennen und zu vermitteln? Tradition und Kanon aber sind Geltungs- und Orientierungsbegriffe, denen es schon lange nicht mehr gelingt, soziale und kulturelle Strahlkraft zu entfalten, auch als Folge einer Selbstentpflichtung der akademischen Philologien. Zugleich ist augenfĂ€llig, dass die verlegerische Publizistik und feuilletonistische Literaturkritik diese LĂŒcke nicht kompensieren können. Wer anders also als die Philologien kann informiert ĂŒber das sprechen, was wir heute aus den möglichen Literaturgeschichten ĂŒberliefert weiterhin lesen und fĂŒr unsere Zeit verstĂ€ndlich machen sollten? Anders gefragt: Was kommt jenseits der Feststellung einer umfassenden „stratifizierten KanonpluralitĂ€t“,19 wenn es nicht bloß die Aufgabe der ganzen Idee geteilter LektĂŒren und textueller KohĂ€renz sein soll? War der Blick in die philologisch erforschte Vergangenheit beseelt von der Idee eines ebenso umfassenden wie kritischen VerstĂ€ndnisses eines entfernten epistemischen und kulturellen Zusammenhangs, so hat sich die Philologie doch selbst nur unzureichend mit der Frage beschĂ€ftigt, wie denn nach der Boeckh’schen Formel das eigene vormals Erkannte zu erkennen sei.20 Das Problem der Fachgeschichte ist also weiterhin von ungebrochener Relevanz. Die Entgrenzung des romanistischen Gegenstandes kann eben nicht das Ende der fortgesetzten Frage nach den HerkĂŒnften bedeuten, muss doch die Philologie in ihrem eigenen Interesse kritische Wissenschaftsgeschichte zu einem Kernaspekt ihres Arbeitens machen.

Die Geschichte der Institution Romanistik verbindet die Gegenwart des Fachs also wie ein System von (mehr oder weniger gut illuminierten) Tunneln mit der Vergangenheit. Gleichzeitig ist die Gegenwart der Institution entscheidend hinsichtlich der Rollen, welche die einzelne Wissenschaftlerin oder der einzelne Wissenschaftler21 darin spielen können. Diese Rollen bedingen auch die Möglichkeiten und Konsequenzen des eigenen Sprechens ĂŒber die Disziplin. Dabei finden diese fachinternen Reflexionsprozesse, in die der vorliegende Band einen Einblick bietet, eben lĂ€ngst nicht mehr nur innerhalb der Fachgrenzen bzw. abgeschlossen von fach- oder theoriefremden Debatten statt, denn „[d]ie Frage nach einer zukĂŒnftigen Romanistik ist heute weniger denn je zu trennen von den ganz konkreten Handlungsmöglichkeiten, -ebenen, -instrumenten ihrer Akteure“.22 Dass es mit Blick auf diese Handlungsmöglichkeiten gerade auch hinsichtlich der jeweiligen Position innerhalb des wissenschaftlichen Feldes sehr unterschiedliche Möglichkeiten der Situierung gibt, kann ebenfalls festgehalten werden. Wenn etwa fĂŒr eine „neue NĂ€he zwischen Geisteswissenschaft und Kunst“23 eingetreten wird oder die Erprobung einer „VerschrĂ€nkung von Sinn und Sinnlichkeit einer solchen Literatur mit immer wieder neuen literarischen und wissenschaftlichen Mitteln“24 gefordert wird, so lassen sich diese Abgrenzungsversuche gegenĂŒber bestimmten Formen philologischen Arbeitens als EntwĂŒrfe lesen, denen es auch um die Freiheit von einer bestimmten Art von Philologie geht. Dass ein derartiges romanistisches Schreiben auf einer anderen Ebene operiert als eines, bei dem ĂŒber das Abfassen von Qualifikationsarbeiten zunĂ€chst einmal nach der Freiheit zur Philologie gestrebt wird, ist offensichtlich. Gleiches gilt fĂŒr die Tatsache, dass auch andere damit in engem Zusammenhang stehende Aspekte der Orientierung innerhalb der Romanistik je nach Perspektive ganz unterschiedlichen Lesarten unterworfen werden können. Wenn Gumbrecht etwa fordert, „[d]ie Romanisten der Zukunft sollten sich so verhalten wie ‚die Vögel des Himmels‘ in der Parabel des Neuen Testaments und wenn sie dazu nicht bereit sind, dann sollten sie dieses Fach und seine Passionen meiden“,25 so stellt sich fĂŒr den Nachwuchs als eben jenen zukĂŒnftigen Vögeln des Himmels die Frage, wie mit einer solchen Position umzugehen ist. Denn nach MatthĂ€us sĂ€en sie bekanntlich nicht, ernten nicht und horten nichts in Scheunen, sondern lassen sich allein von Gott ernĂ€hren. Man kommt letztlich nicht umhin zu denken, dass sich diese Empfehlung aus der Perspektive eines sich melancholisch in den kalifornischen Höhenwinden wiegenden Weißkopfseeadlers doch reichlich anders ausnehmen muss als aus der eines nach ein paar Brotkrumen pickenden Sperlings in der deutschen Provinz. So drĂ€ngen sich mitunter nicht wenige berechtigte Zweifel auf bezĂŒglich der eigenen, wie sich mit Auerbach sagen ließe, „leidenschaftlichen Neigung, die nach wie vor eine zwar geringe, aber durch Begabung und OriginalitĂ€t ausgezeichnete Anzahl junger Menschen zur philologisch-geistesgeschichtlichen TĂ€tigkeit treibt“.26 Möglicherweise ist die Disziplin gleichermaßen entfernt von einem Paradies der Sehnsucht wie von einem drohenden Exodus am anderen Ende des Horizonts.

Dass zwischen beiden Polen ein weites Feld liegt, das einer kontinuierlichen Kultivierung bedarf, ist offensichtlich; dass es nicht genĂŒgen wird, sich jenseits des SchlachtengetĂŒmmels auf erhoben-erhabene Positionen zurĂŒckzuziehen und sich der daraus resultierenden „erhebliche[n] Entpflichtungseffekte“ zu freuen,27 sondern vielmehr eine Steigerung der Verpflichtungseffekte notwendig ist, gehört zum Anspruch dieses Bandes; dass Wissenschaft und Romanistik etwas zu sein vermögen, das weit ĂŒber die Logiken des beschleunigten und massenhaften Publizierens hinaus ein Erlebnis von Gemeinschaft, geteilten Leidenschaften und Formen fruchtbaren Streitens ist, hat das fast dreijĂ€hrige Arbeiten an diesem Band hoffentlich auch fĂŒr seine Leserinnen und Leser deutlich gemacht.

Zu den BeitrÀgen

Christoph Beck setzt sich in seinem Beitrag „Geschichtsphilosophie in praktischer Absicht: Erich Auerbach und Ernst Robert Curtius“ mit zwei ‚klassischen‘ Vertretern des Fachs auseinander. Dabei geht es ihm um das GeschichtsverstĂ€ndnis, vor dem sich die Konzeptionen philologischen Arbeitens jeweils verorten. Schon Auerbach und Curtius stehen nicht mehr vor einer gegebenen kulturellen Einheit der Romania, Europas oder der westlichen Welt. Das vereinende Moment ist eine geschichtsphilosophische Aufgabe und muss erst erschrieben werden, womit beide in unterschiedlicher Weise den Reflexionsstand Ernst Troeltschs aufgreifen.

Nadine ZĂŒlow unternimmt in „Wahrheit in Waffen: zu Werner Krauss’ LektĂŒre des Moralisten Baltasar GraciĂĄn“ in ihren Überlegungen zu Werner Krauss den Versuch, die Lebensgeschichte des unter den Nationalsozialisten inhaftierten Romanisten in Bezug zu seinen GraciĂĄn-LektĂŒren und den daraus abgeleiteten Überlebensstrategien zu setzen. Damit hinterfragt sie zugleich kritisch jenes die gegenwĂ€rtige literaturwissenschaftliche LektĂŒrepraxis kennzeichnende Ausschließen von Lebens- und WeltbezĂŒgen literarischer Texte.

Rike Bolte plĂ€diert in ihrem Beitrag mit dem Titel „Hugo Friedrich neu lesen: NegativitĂ€t als zu prĂ€zisierendes Prinzip moderner PoetizitĂ€t“ fĂŒr eine neue LektĂŒre von Hugo Friedrichs Klassiker Die Struktur der modernen Lyrik. Diese geht insbesondere der Frage nach, inwiefern das von Friedrich fĂŒr die moderne Lyrik als konstitutiv postulierte PhĂ€nomen der NegativitĂ€t vor dem Hintergrund der lyriktheoretischen Debatten des 20. Jahrhunderts zu prĂ€zisieren sei bzw. eine solche Auseinandersetzung zugleich eine mögliche Zugangsvoraussetzung fĂŒr die Ausrichtung lyriktheoretischer Positionen im 21. Jahrhundert sein könnte.

Auch Pablo Valdivia Orozco fĂŒhrt in „Philologische Implikatur und kulturwissenschaftliche Explikation: die Frage einer Romanistik in Bewegung“ die Frage nach der kulturtheoretischen Implikatur, welche die philologische Arbeit ermöglicht, zu Curtius und Auerbach. Deren Hauptwerke liefern Modelle eines Traditionszusammenhangs, der sich einer nationalistischen VerkĂŒrzung der Geschichte verweigert und als Fusion begriffen werden will. Auf diese Konzepte lĂ€sst sich mit Autoren wie Borges, Glissant und GarcĂ­a MĂĄrquez antworten, welche einerseits die Perspektive des Fachs auf eine Neuzeit der vielen Zentren bestĂ€tigen, andererseits aber die kolonialen Blickrichtungen der Implikatur verdeutlichen und dem spezifisch deutschen Zuschnitt des Faches Alternativen an die Seite stellen. Das Hauptaugenmerk sollte auf der Reflexion romanistischen Fragens liegen.

Vicente Bernaschina SchĂŒrmann setzt sich in seinem Beitrag „Rodolfo Lenz: unterwegs zu einer amerikanischen kritischen Philologie“ mit dem VerstĂ€ndnis des deutsch-chilenischen Philologen Rodolfo Lenz von Sprache als psychophysischem PhĂ€nomen und den damit einhergehenden Implikaturen fĂŒr die Philologie im Allgemeinen und die Romanistik im Besonderen auseinander. Lenz’ Überzeugung folgend, dass Sprachen ĂŒber die reine Formulierung von Inhaltlichem hinaus immer auch Auskunft ĂŒber die Denkweisen ihrer Sprecher mitenthielten, sei ihre Erforschung nicht nur aus rein linguistischer, sondern gerade aus kultureller und sozialer Perspektive von Bedeutung – vorausgesetzt, die Forschenden seien bereit, sich selbst und ihr Arbeiten hinreichend zu reflektieren, die eigenen AffinitĂ€ten zu identifizieren und im Dienste einer nicht-hierarchischen, kollektiven und transdisziplinĂ€ren Wissenschaftspraxis hintanzustellen.

Sylvester Bubel reflektiert in seinem Beitrag „Bewegungen vor der Bewegung: drei Fragen zur (Meta-)Methodologie literaturwissenschaftlicher Praxis in der Romanistik heute“ ĂŒber die im Rahmen philologischen Arbeitens selten explizit gemachte Frage nach der jeweiligen Entscheidung fĂŒr oder gegen bestimmte methodologische AnsĂ€tze. Dabei plĂ€diert er im Sinne einer Überwindung bestimmter Feldmechanismen fĂŒr eine dezidierte Plausibilisierung bei der Wahl von InterpretationsansĂ€tzen, welche die Auseinandersetzung mit heuristischen Potenzialen von diametral entgegengesetzten Denkschulen immer schon mit einzuschließen habe, um so zu einer grĂ¶ĂŸeren Anzahl an objektivierbaren und nachvollziehbaren Forschungsergebnissen zu gelangen.

Benjamin Loy richtet in seinem Beitrag „Nach den Elegien: Überlegungen zu einer kritischen Literaturwissenschaft“ den Blick auf den affektiven Gehalt der aktuellen Legitimierungs- und Theoriedebatten im Fach. Diese seien entweder gesteuert von einer Ab- oder einer besonders akzentuierten Hinwendung zur Tradition hermeneutischer Textinterpretation. Im Anschluss und in Abgrenzung zu elegischen und optimistischen Prognosen zur Zukunft der Philologie formuliert Loy im Anschluss an Peter BĂŒrger die GrundzĂŒge einer „kritischen Literaturwissenschaft“, die Ideologie- und Gesellschaftskritik der Sprachkunst Literatur sowie der Sprachkritik als Untersuchungsmethode als genuin philologischen Auftrag begreift und keineswegs als historisch abgeschlossen wissen will. Zum Handlungsfeld dieser Arbeit aber gehört, so Loy, die Einsicht, dass sich philologisch motiviertes Lesen und Denken nicht beliebig zweckrationalisieren und beschleunigen lĂ€sst und sich daher vor allem wehrhaft gegen eine „Bolognistik“ erweisen muss, die zunehmend zum Naturzustand des Wissenschaftssystems zu werden droht.

Marie-Therese MĂ€der untersucht in ihrem Beitrag „Bewegung in der Romanistik: zwischen Re-Philologisierung und kulturwissenschaftlicher Öffnung“ die wechselvolle Geschichte im FĂŒr und Wider einer kulturwissenschaftlichen Erweiterung der Romanistik als UniversitĂ€tsfach und als Disziplin. Dabei diagnostiziert sie zwei Tendenzen: Sehr wohl haben sich kulturwissenschaftliche Forschungsthemen und Lehrangebote in der ganzen Breite des Faches durchgesetzt. Zugleich stehen die theoretischen PrĂ€missen der heterogenen Angebote kulturwissenschaftlicher Vordenker aber in der Kritik, Systematik gegen begriffliche Beliebigkeit einzulösen und scheitern als Anspruch an das Fach an den WiderstĂ€nden der VerbĂ€nde und ihrer organisierten Fachdiskussion. Sehr wohl zeigen die jĂŒngeren Diskussionen im Fach aber auch, dass Philologie nicht anstatt sondern vielmehr als Kulturwissenschaft entwickelt werden. Im Sinne eines Ausblicks plĂ€diert MĂ€der schließlich fĂŒr eine relational verstandene „Romanistik als Fremdkulturwissenschaft“ und die Rehabilitierung differenzbewusster Begrifflichkeiten.

Sandra Hettmann widmet sich in „Gender – theoretische Paradigmen und queer-feministische Perspektiven“ den „‚leaking pipelines‘ feministischer und genderkritischer Herangehensweisen“ innerhalb der Romanistik. Zwar habe die Disziplin lĂ€ngst einschlĂ€gige Analysekategorien aus der queer-feministischen Theoriebildung der vergangenen vierzig Jahre fĂŒr sich vereinnahmt, dabei aber hĂ€ufig „auf eine feministisch-emanzipatorische RĂŒckkopplung verzichtet“. Der Beitrag zeichnet kritisch eine Theoriehistorie des gender-Begriffs nach mit dem erklĂ€rten Ziel, die Romanistik fĂŒr mannigfaltige geschlechtertheoretische AnsĂ€tze und deren EinsatzprĂ€missen zu sensibilisieren und sie als Reflexionskategorien im Zentrum romanistischen literatur- wie kulturwissenschaftlichen Arbeitens zu etablieren.

Tobias Kraft untersucht in seinem Beitrag „Digitale Philologie und digitale Romanistik“, wie die Konzeption und Erstellung digitaler wissenschaftlicher Editionen philologische SchlĂŒsselfragen unserer Zeit berĂŒhrt und Denk- und Handlungsoptionen fĂŒr eine innovative und zukunftssichere Philologie eröffnet. Sie verĂ€ndere zugleich das philologische Tun und erlaube den Ausblick auf TĂ€tigkeiten und Probleme einer digitalen Philologie, die gerade erst entsteht. Eine solcherart digital konstituierte Philologie sei auf Projekt- und Personenebene auch bereits Teil jener Akteure der Romanistik, die sich den Fragestellungen des digitalen Wandels öffnen.

Fanny Romoth vollzieht in ihrem Beitrag „Bewegungsforschung in der Literaturwissenschaft: Entstehung, Entwicklung und Perspektiven eines aktuellen Forschungsparadigmas und die Rolle der Romanistik“ die Entwicklung der literaturwissenschaftlichen Bewegungsforschung seit den 2000er Jahren in den drei wesentlichen Forschungslinien nach: der Erforschung von Raumdynamiken, der thematisch-formalen und der literaturwissenschaftlich orientierten Bewegungsforschung. Nicht nur, so Romoth, sei aus den Reihen der Romanistik die InitialzĂŒndung fĂŒr einen „turn to movement“ in den Literaturwissenschaften gekommen. Auch vermöge sie entscheidend diesen weiter voranzutreiben in Auseinandersetzung mit ihrem spezifischen Literaturkorpus einerseits und andererseits dank ihrer sprachlichen Kompetenz, die ein in literaturwissenschaftlichen Disziplinen noch wenig bestelltes Feld von Bewegungstheorien aus dem romanischen Sprachraum aufschließen kann.

Gesine MĂŒller untersucht in ihrem Beitrag mit dem Titel „Dennoch fĂŒr eine Histoire croisĂ©e: die literaturwissenschaftliche Karibikforschung als Modellfall“ das „koloniale Kaleidoskop“ der karibischen Inselwelt. Gerade die Schwellensituation des 19. Jahrhunderts bringt dort literarisch transareale Dynamiken hervor, deren LektĂŒre fĂŒr das VerstĂ€ndnis der Gegenwart relevant bleibt. Aus der Perspektive einer Histoire croisĂ©e lassen sich diese Literaturen auch im Sinne postkolonialer Theoriebildung stark machen.

Dem Beitrag „Romanistik in Bewegung Oder FĂŒr eine transareale Literaturwissenschaft“ von Ottmar Ette liegt die These zugrunde, dass Globalisierung kein rezentes PhĂ€nomen ist, sondern ein langanhaltender, sich ĂŒber mehrere Jahrhunderte erstreckender Prozess, der sich in vier Phasen beschleunigter Globalisierung unterteilen lĂ€sst, angefangen bei der FrĂŒhen Neuzeit bis hin zur Gegenwart des 21. Jahrhunderts. Die Literaturen der Welt, so Ette, wĂŒrden dem Menschen mit ihrem einzigartigen Wissen eine neue Perspektive auf die viellogische Verfasstheit weltumspannenden Zusammenlebens eröffnen.

Bibliographie

  • Auerbach, Erich. „Philologie der Weltliteratur“, 301–10. In Gesammelte AufsĂ€tze zur romanischen Philologie. Bern und MĂŒnchen: Francke, 1967.
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  • Ertler, Klaus-Dieter, Hrsg. Romanistik als Passion: Sternstunden der neueren Fachgeschichte. MĂŒnster: LIT, 2007.
  • Estelmann, Frank, Pierre KrĂŒgel und Olaf MĂŒller, Hrsg. Traditionen der Entgrenzung: BeitrĂ€ge zur romanistischen Wissenschaftsgeschichte. Frankfurt am Main: Peter Lang, 2003.
  • Ette, Ottmar. Literatur und Bewegung: Raum und Dynamik eines grenzĂŒberschreitenden Schreibens in Europa und Amerika. Weilerswist: VelbrĂŒck, 2001.
  • ———. ÜberLebenswissen: die Aufgabe der Philologie. Berlin: Kadmos, 2004.
  • ———. „Romanistik als Archipel-Wissenschaft: fĂŒnf Thesen zur kĂŒnftigen Entwicklung eines faszinierenden Faches“. GrenzgĂ€nge 12, Nr. 23 (2005): 117–27.
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  • Hausmann, Frank-Rutger. ‚Vom Strudel der Ereignisse verschlungen‘: deutsche Romanistik im ‚Dritten Reich‘. Frankfurt am Main: Klostermann, 2000.
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  • Messling, Markus. „DisziplinĂ€res (Über-)Lebenswissen: zum Sinn einer kritischen Geschichte der Philologie“. Lendemains 33, Nr. 129 (2008): 102–10.
  • ——— und Ottmar Ette, Hrsg. Wort Macht Stamm: Rassismus und Determinismus in der Philologie (18./19. Jh.) MĂŒnchen: Fink, 2013.
  • Nonnenmacher, Kai. „Neuestes Systemprogramm der Deutschen Romanistik“, Themenheft: „Die Zukunft der Romanistik“. Romanistische Zeitschrift fĂŒr Literaturgeschichte 29, Nr. 3 (2005): 309–25.
  • Stierle, Karlheinz. „Romanistik als Passion“. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. September 2013, http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/bilder-und-zeiten/philologie-romanistik-als-passion-12594341.html.
  • Westemeier, Jens. Hans Robert Jauß: Jugend, Krieg und Internierung. 2015, Zugriff am 05.03.2016. www.uni-konstanz.de/shared/Dokumentation_Jauss_UniKN_20052015.pdf.

  1. Reichlich Anschauungsmaterial dieser ausufernden Debatten bieten neben verschiedenen Themenheften in einschlĂ€gigen romanistischen Zeitschriften auch, um nur einige zu nennen: Estelmann, KrĂŒgel und MĂŒller, Hrsg., Traditionen der Entgrenzung; Lieber und Wentzlaff-Eggebert, Hrsg., Deutschsprachige Romanistik – fĂŒr wen? sowie im eher hagiographisch gehaltenen Stil Ertler, Hrsg., Romanistik als Passion und Gumbrecht, Vom Leben und Sterben der großen Romanisten.↩
  2. Nonnenmacher, „Neuestes Systemprogramm der Deutschen Romanistik“, 316.↩
  3. Gumbrecht, „Ins Exil geboren“, 262.↩
  4. Schon Auerbach beklagt diesen Umstand in seinen Überlegungen zur Philologie der Weltliteratur, vgl. Auerbach, „Philologie der Weltliteratur“. Ein Beispiel aus der jĂŒngsten Gegenwart bietet neben Gumbrecht, „Ins Exil geboren“, auch Kablitz, „Der Systemfehler der Geisteswissenschaften“, auf dessen AusfĂŒhrungen noch einzugehen sein wird.↩
  5. Vgl. Gumbrecht, „Ins Exil geboren“, 268.↩
  6. Mecke, „Kleine Apologie der Romanistik“, 359.↩
  7. Ette, „Romanistik als Archipel-Wissenschaft“, 124.↩
  8. Auerbach, „Philologie“, 96.↩
  9. Stellvertretend sei an dieser Stelle auf die Vielzahl der Arbeiten Ottmar Ettes verwiesen, die von Literatur in Bewegung bis TransArea – eine literarische Globalisierungsgeschichte entscheidende AnstĂ¶ĂŸe zu dieser theoretischen Arbeit gegeben haben.↩
  10. Vgl. symptomatisch hierfĂŒr die AusfĂŒhrungen bei Stierle, „Romanistik als Passion“.↩
  11. Zur Relevanz von Affekt und Philologie vgl. auch Ette, ÜberLebenswissen und Gumbrecht, Diesseits der Hermeneutik.↩
  12. Stierle, „Romanistik als Passion“.↩
  13. Eine Ă€ußerst bemerkenswerte Ausnahme zu diesem auffĂ€lligen Schweigen des Fachs ist der Band von Hofmann und Messling, Hrsg., Leeres Zentrum.↩
  14. Kablitz, „Systemfehler“.↩
  15. Kablitz, „Systemfehler“.↩
  16. Siehe dazu Kablitz, „Theorie der Literatur und Kunst der Interpretation“.↩
  17. Kablitz, „Systemfehler“.↩
  18. Messling, „DisziplinĂ€res (Über-)Lebenswissen“, 103. Vgl. zum gleichen Thema auch die im Rahmen der Emmy-Noether-Gruppe „Philologie und Rassismus“ an der UniversitĂ€t Potsdam zwischen 2012 und 2014 entstandenen Arbeiten sowie Messling und Ette, Hrsg., Wort Macht Stamm. Zur Aufarbeitung der Geschichte der Romanistik im Dritten Reich vgl. die einschlĂ€gige Publikation von Hausmann, ‚Vom Strudel der Ereignisse verschlungen‘ sowie jĂŒngst zum Fall Hans Robert Jauß’ die Untersuchung von Westemeier, Hans Robert Jauß.↩
  19. LĂŒsebrink und Berger, „Kanonbildung in systematischer Sicht“, 4–5.↩
  20. Vgl. Boeckh, EncyklopĂ€die und Methodologie der philologischen Wissenschaften, 10–1.↩
  21. Alle BeitrĂ€ge dieses Bandes folgen ihren eigenen Auffassungen bezĂŒglich gendersensibler Sprache.↩
  22. Nonnenmacher, „Neuestes Systemprogramm“, 316.↩
  23. Gumbrecht, PrĂ€senz, 116.↩
  24. Ette, ÜberLebenswissen, 96.↩
  25. Gumbrecht, „Ins Exil geboren“, 265.↩
  26. Auerbach, „Philologie“, 85.↩
  27. Gumbrecht, „Ins Exil geboren“, 264.↩

Ill.: Sommerschule Romanistik in Bewegung, Potsdam 2014.

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