Wolf Lepenies: Macht am Mittelmeer

BeitrÀge, Französisch

Joseph Jurt, „Ein Subtext Frankreichs: Mittelmeeridee, LatinitĂ€t und Katholizismus. Zu Wolf Lepenies, ‚Die Macht am Mittelmeer‘“, erscheint in Romanische Studien 4 (2016).

Wolf Lepenies, Die Macht am Mittelmeer: französische TrĂ€ume von einem anderen Europa (MĂŒnchen: Carl Hanser Verlag, 2016), 341 S., ISBN : 978-3-446-24732-1, € 24,90 (D).

Auszug aus der Rezension:

Wolf Lepenies, den ehemaligen Rektor des Berliner Wissenschaftskollegs, braucht man nicht vorzustellen. Sein Buch Die drei Kulturen1 ist zu einem Standardwerk geworden, auf das man immer wieder mit Gewinn zurĂŒckgreift. Der Autor zeichnet sich nicht nur durch seine herausragende Kenntnis der genannten drei Wissenschaftskulturen aus, sondern auch durch die (seltene) gleichzeitige Vertrautheit mit der deutschen, französischen und der angelsĂ€chsischen Geisteswelt. Mit seiner Monographie ĂŒber den Literaturkritiker Sainte-Beuve2 beleuchtete er eine bedeutende Persönlichkeit des französischen Geisteslebens des 19. Jahrhunderts, die man nach Prousts Contre Sainte-Beuve zu unterschĂ€tzen geneigt war.

Wolf Lepenies ist auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt durch seine Interventionen in der Presse, zunĂ€chst in der SĂŒddeutschen Zeitung und seit ein paar Jahren in der Welt. In diesen BeitrĂ€gen schĂ€tzt man immer wieder den hell wachen und immer bestens informierten Blick des Autors auf aktuelle Tendenzen namentlich in Frankreich, die der gĂ€ngigen Berichterstattung zumeist entgehen3. So fiel ihm schon frĂŒh die starke Mittelmeerorientierung Frankreichs auf, die etwa in Sarkozys Idee einer Mittelmeerunion mĂŒndete, die den Machtzuwachs Deutschlands kompensieren sollte. Schon 1999 hatte er dafĂŒr plĂ€diert, Frankreich solle fĂŒr Deutschland weit stĂ€rker als bisher zum „Mittler zwischen SĂŒd und Ost“ werden, damit es in Europa vom Konflikt zur notwendigen Kooperation der Himmelsrichtungen komme: „Es tut uns Deutschen gut, von Frankreich und anderen mediterranen LĂ€ndern an die islamische PrĂ€gung von Mittelalter und Mittelmeer erinnert zu werden.“4

Das Scheitern der intendierten Mittelmeerunion hatte Lepenies mehrfach publizistisch kommentiert. Daraus entstand die Idee einer historischen Vertiefung in einer Monographie, die nun vorliegt: Die Macht am Mittelmeer: französische TrĂ€ume von einem anderen Europa. Im Zentrum stehen die Versuche, eine (politische) Union der ‚lateinischen Nationen‘ unter der Ägide Frankreichs als Gegengewicht zu Deutschland zu bilden. Es handelt sich zweifellos um einen originellen Fokus, der es erlaubt das französische SelbstverstĂ€ndnis aus einer anderen Perspektive zu behandeln, ein Vorhaben, dem keineswegs die LegitimitĂ€t wegen der Tatsache abgeht, dass die Vorstellungen oft, wie der Titel schon suggeriert, bloß „TrĂ€ume“ blieben. Es handelt sich in jeden Fall um ein spannendes Buch, das zur Diskussion anregt.

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Der LatinitĂ€ts-‚Traum‘ manifestierte sich 2013 in einem Zeitungsartikel des Philosophen Giorgio Agamben, der zunĂ€chst in der italienischen Zeitung La Repubblica und dann in LibĂ©ration, dort unter dem von der Redaktion gesetzten provokativen Titel „Que l’Empire latin contre-attaque!“ am 24. MĂ€rz 2013 erschien. Agamben bezog sich auf einen vom Philosophen und hohem Beamten des französischen Staates Alexandre KojĂšve 1947 veröffentlichten Essay „L’Empire latin“, der neue AktualitĂ€t gewonnen habe. KojĂšve habe damals vorausgesagt, Deutschland werde zur wichtigsten Wirtschaftsmacht Europas aufsteigen und dann Frankreich auf eine sekundĂ€re Rolle verweisen. Frankreich solle darum an die Spitze eines ‚lateinischen Imperium‘ treten, das zusĂ€tzlich Spanien und Italien umfassen und im Einklang mit der Tradition der katholischen Kirche stehen und sich gleichzeitig auf den Mittelmeerraum öffnen sollte. Jetzt, wo die EU sich nur an einer ökonomischen Logik orientiere und die konkreten kulturellen AffinitĂ€ten missachte, sei es Zeit, sich auf KojĂšve zu besinnen:

Une Europe qui prĂ©tend exister sur une base strictement Ă©conomique, en abandonnant toutes les parentĂ©s rĂ©elles entre les formes de vie, de culture et de religion, n’a pas cessĂ© de montrer toute sa fragilitĂ©, et avant tout sur le plan Ă©conomique.5

Es mache keinen Sinn, so Agamben, einem Griechen oder einem Italiener den Lebensstil eines Deutschen vorzuschreiben. Das fĂŒhre zu einer Zerstörung des kulturellen Erbes, das sich vor allem in einer bestimmten Lebensform Ă€ußere.

In der Rezeption durch die Öffentlichkeit wurden diese Thesen aber sehr stark verkĂŒrzt, als ob es um einen Kulturkampf zwischen dem ‚SĂŒden‘ gegen den deutsch dominierten ‚Norden‘ ginge. Agamben stellte das in einem GesprĂ€ch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung richtig: „Wie könnte ich die lateinische Kultur der deutschen entgegenstellen, wo doch jeder intelligente EuropĂ€er weiß, dass die italienische Kultur der Renaissance oder des klassischen Griechenlands heute mit vollem Recht auch zur deutschen Kultur gehört, die sie neu durchdacht und sich angeeignet hat!“6 Agamben fĂŒhrte dann weiter aus, das Ziel seiner Kritik sei nicht Deutschland gewesen, „sondern die Weise, in der die EuropĂ€ische Union konstruiert wurde, nĂ€mlich auf ausschließlich ökonomischer Basis. So werden nicht nur unsere spirituellen und kulturellen Wurzeln ignoriert, sondern auch die politischen und rechtlichen. Wenn eine Kritik an Deutschland herauszuhören war, dann nur, weil Deutschland aus seiner dominierenden Position heraus und trotz seiner außergewöhnlichen philosophischen Tradition momentan unfĂ€hig erscheint, ein Europa zu denken, das nicht allein auf Euro und Wirtschaft beruht.“7 Europa beruhe auf dem Dialog mit der Vergangenheit, die eben nicht nur Tradition sei, sondern eine „anthropologische Grundbedingung“.8

Agamben hatte sich, wie er im GesprĂ€ch ausfĂŒhrte, „vielleicht etwas provokativ“ auf KojĂšves Projekt bezogen. Immerhin lenkte er den Blick auf die genannte Denkschrift. Lepenies kommt das Verdienst zu, den (kaum bekannten) Essay von KojĂšve ausfĂŒhrlich vorzustellen auf der Basis des maschinenschriftlichen Typoskripts, das im Archiv der Hoover Foundation aufbewahrt wird unter dem schlichten Titel „Esquisse d’une doctrine de la politique française“ (datiert auf den 27. August 1945). Der 1902 in Russland geborene und seit 1926 in Frankreich lebende KojĂšve war vor allem als Philosoph bekann. Sein Hegel-Seminar an der Ecole pratique des Hautes Etudes von 1933–39 war legendĂ€r; zĂ€hlten doch zu den Hörern neben Georges Bataille auch Lacan, Raymond Aron und Merleau-Ponty. In seiner LektĂŒre der PhĂ€nomenologie des Geistes ging es ihm darum, Hegel von der Dialektik von Herr und Knecht her zu verstehen und in der Dialektik das Spezifische der Geschichte zu sehen. Aus seinen Thesen ĂŒber das Ende der Geschichte und der Philosophie zog er Konsequenzen und arbeitete als Berater des französischen Wirtschaftsministeriums im Bereich der internationalen Wirtschaftsbeziehungen.

In seiner „Esquisse“ entwickelte er die These, den slawisch-sowjetischen und angelsĂ€chsischen Imperien mĂŒsse als Puffer ein ‚Lateinisches Reich‘ entgegengestellt werden, das die Errungenschaften der lateinisch-katholischen Zivilisation verteidige, die eben nicht in ökonomischen und politischen Erfolgen bestehe, sondern in einer Lebensform, einer ‚Humanisierung‘ der freien Zeit. Detaillierte Maßnahmen sollten sicherstellen, dass Deutschland die Schaffung eines ‚Lateinischen Reiches‘ nicht hemmen könne. Die „Esquisse“ orientierte sich nicht mehr an der These des Endes der Geschichte, sondern war, so Lepenies, „Ausdruck des Wunsches, Frankreich möge die Initiative an sich reißen, um aktiv die Zukunft Europas zu gestalten“ (32).

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Die Nachkriegszeit entwickelte sich indes nicht im Sinne von KojĂšve. Der Schumanplan war ein wichtiger Schritt auf dem Weg der wirtschaftlichen Integration Westeuropas mit Deutschland als gleichwertigem Partner. FĂŒr die These, de Gaulle sei der Adressat von KojĂšves „Esquisse“ gewesen, gibt se nach Lepenies keine eindeutigen Belege, selbst wenn gewisse Passagen den Vorstellungen des Generals hĂ€tten entsprechen können. Dieser sprach auf jeden Fall nicht von einem ‚Lateinischen Reich‘. Aber wie fĂŒr KojĂšve ging auch fĂŒr de Gaulle, so schreibt Lepenies, „die grĂ¶ĂŸte Gefahr fĂŒr Frankreich von einem wieder erstarkten Deutschland“ aus (40). Der General habe sich darum nach dem Krieg jeder Zentralisierung der deutschen Verwaltung widersetzt. Einen deutschen Einheitsstaat wollte er auch spĂ€ter mit allen Mitteln verhindern. Er konnte kein Europa akzeptieren, in dem zwischen dem siegreichen Frankreich und dem besiegten Deutschland ParitĂ€t herrsche (42). Er befĂŒrchtete ĂŒberdies, die Deutschen wĂŒrden den Franzosen auf dem Feld der Wirtschaft bald eine neue Niederlage zufĂŒgen. Frankreich könne seiner historischen Bestimmung nur gerecht werden, wenn sich am Prinzip der „grandeur“ orientiere.

De Gaulle sei aber Realist genug gewesen, um einzusehen, dass ein gegen Deutschland gerichtetes ‚Lateinisches Reich‘ eine Illusion war und dass er darum fĂŒr ein ‚europĂ€ische Europa‘ nicht gegen, sondern mit Deutschland plĂ€dierte. Mit dem „rheinischen Katholiken“ Adenauer sei die Aussöhnung leichter zu erreichen gewesen. De Gaulle habe aber darauf bestanden, „dass auch in Zukunft zwischen Frankreich und Deutschland ein politisches Ungleichgewicht gelten mĂŒsse“ (44). De Gaulles Ziel, ein selbstsicheres Europa aufzubauen, habe der Ambition, ein Lateinisches Reich zu schaffen kaum nachgestanden. „In der EinschĂ€tzung der Gefahren, die Frankreich von einem wieder erstarkten Deutschland drohten, unterschied sich dabei de Gaulle kaum von den BefĂŒrchtungen KojĂšves (46).

Man kann sich aber fragen, ob hier die Nachkriegspolitik Frankreichs und namentlich de Gaulles nicht zu sehr durch die Brille von KojĂšve gesehen wird. Der französische Politikwissenschaftler RenĂ© RĂ©mond hatte auf einem Kolloquium ĂŒber die Nachkriegszeit festgehalten, dass Frankreich als Siegermacht 1918 es sich hĂ€tte leisten können, mit dem deutschen Volk freundschaftliche Beziehungen aufzunehmen, wĂ€hrend 1945 nach der Niederlage von 1940 und einer Ă€ußerst unerbittlichen Besatzungszeit eine mögliche Versöhnung keineswegs evident war. Paradoxerweise trat das Gegenteil ein. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das gegenseitige Misstrauen kaum abgebaut. Nach 1945 brauchte es indes nur wenige Jahre, bis sich die Meinung durchsetzte, der deutsch-französische Antagonismus sei ĂŒberholt. RenĂ© RĂ©mond schreibt das auch der Tatsache zu, dass sich namentlich Mitglieder der RĂ©sistance gegen das nationalsozialistische Regime und nicht gegen das deutsche Volk wandten und sich mit demokratischen KrĂ€ften in Deutschland eins wussten.9

Frankreich ließ sich bei seiner Deutschlandpolitik von der Idee eines dissoziativen Föderalismus leiten, der im Kontrast zur eigenen zentralstaatlichen Organisation stand. „Jamais plus de Reich“ – diese Forderung artikulierte de Gaulle in der Tat immer wieder. Dieses Prinzip diente sicher zuallererst französischen Sicherheitsinteressen. Der französische Botschafter Pierre Mailland betonte indes in diesem Zusammenhang den ausgesprochenen Geschichtssinn des Generals. In seinen Augen entsprach der föderalistische Staatsaufbau der historischen Tradition Deutschlands besser.10 Nach Maillard sah de Gaulle im Nachbarland zunĂ€chst eine Bedrohung, fĂŒhlte sich von ihm auch angezogen, war er doch mit der deutschen Philosophie und Literatur vertraut. Sein Wort von der GrĂ¶ĂŸe des deutschen Volkes bei der berĂŒhmten Ludwigsburger Rede von 1962 beruht auf einer intimen Kenntnis des Landes. Schon in den Reden nach 1945 hatte er von der Versöhnung und der KomplementaritĂ€t der beiden Völker gesprochen. Die Idee der Nation setzte fĂŒr ihn die Achtung der Rechte anderer Nationen voraus. Die Einheit der deutschen Nation stellte er nie in Frage und plĂ€dierte schon 1959 fĂŒr die Wiedervereinigung.

Der Föderalismus entsprach in seinen Augen, wie gesagt, der Tradition Deutschlands. Dem pflichtete auch der deutsche Politikwissenschaftler Frank R. Pfetsch bei, wenn er die Sensibilisierung der französischen Verantwortlichen in der Besatzungszone fĂŒr die gewachsenen Strukturen unterstreicht:

Juristisch geschulter Verstand und die Kenntnis deutscher Geschichte und Kultur bei zahlreichen in französischen Behörden angestellten französischen Germanisten ließen die historischen und kulturellen Wurzeln bei der deutschen staatlichen Organisation stĂ€rker zum Tragen kommen als bei den anderen SiegermĂ€chten.11

Das Engagement von Vertretern der Zivilgesellschaft trug so wesentlich zur Aussöhnung bei.

So setzte sich langsam die Einsicht durch, dass man mit den rein realpolitischen Konzepten von 1918 – territoriale Aufsplitterung, Gebietsamputationen, Annexionen, Reparationen – keine neue Deutschlandpolitik begrĂŒnden konnte. Hier hat sich, vor allem auch aufgrund der Forschungsergebnisse von Rainer Hudemann, der Konsens durchgesetzt, dass die positive französische Kultur- und Sozialpolitik in der Besatzungszone in Deutschland nicht bloß kompensatorischen Charakter hatte, um die HĂ€rten der Sicherheits- und Wirtschaftspolitik abzufedern. Das französische VerstĂ€ndnis von Sicherheitspolitik hatte sich gegenĂŒber 1919 grundlegend gewandelt:

Sicherheitspolitik bedeutete fĂŒr die politisch entscheidenden französischen Instanzen jetzt nicht mehr nur ein Sicherheitsglacis an der Ostgrenze und die Ausschaltung wesentlicher Teile des deutschen Wirtschaftspotentials. Ausgehend von einer – durch die französische Germanistik geförderten – Interpretation des Nationalsozialismus als Konsequenz der deutschen Geschichte, gewannen jetzt Konzeptionen an Boden, welche durch gesellschaftliche Reformen dem, was man fĂŒr deutschen Militarismus und Nationalismus hielt, den Boden entziehen wollten.12

Die Deutschlandpolitik Frankreichs, die im Rahmen von De Gaulles Vision von Europa gedacht wurde, war, so Lepenies, wohl nicht ‚lateinisch‘, trug aber „katholische ZĂŒge“ (46). So sei es von großer symbolischer Bedeutung gewesen, dass die Aussöhnung mit Deutschland 1962 mit einer Messe in der Kathedrale von Reims gefeiert wurde. De Gaulle und Adenauere werde es bewusst gewesen sein, dass die Architekten des vereinten Europa – neben ihnen Monnet, Schuman, de Gasperi, Spaak – „ausnahmslos Katholiken“ (46) waren. De Gaulle war wohl praktizierender Katholik, PĂ©guy-Leser und gut vertraut mit christlich-demokratischen Denkern; seine Sammelbewegung sollte indes unterschiedliche politische Traditionen integrieren und er selber respektierte immer das Prinzip der „laĂŻcitĂ©â€œ. Die Option fĂŒr die Kathedrale von Reims war ein starkes Symbol der Aussöhnung; war doch das Monument ein wichtiger französischer (und nicht bloß katholischer) Erinnerungsort. Nach dem von den Zeitgenossen zu Recht als barbarisch angesehenem deutschen Bombardement der Kathedrale von Reims im ersten Kriegsjahr 1914 war die Stadt ein Schauplatz des Krieges geblieben und bis zu 80 Prozent zerstört worden. Dass die GrĂŒndervĂ€ter des vereinten Europa Katholiken waren, inspirierte wohl kaum den Traum einer römisch-katholischen politischen Gemeinschaft, kann aber eine mehr universalistisch als nationalstaatliche politische Ausrichtung befördert haben.13

Neben den nun immer bedeutender werdenden Beziehungen zu Deutschland durften auch fĂŒr de Gaulle die ‚lateinischen‘ AffinitĂ€ten nicht vernachlĂ€ssigt werden. Der General sprach wohl in Italien von ‚lateinischer BrĂŒderlichkeit‘. Aber frĂŒhere PlĂ€ne eines ‚mediterranen Paktes‘ wurden nicht aktualisiert. Der Bezug auf die ‚LatinitĂ€t‘ war bloß mehr ein „Element der politischen Rhetorik“ (53).

Wichtiger war indes die Beziehung zu Lateinamerika. Mehr als die HĂ€lfte der ‚ComitĂ©s de la France libre‘ waren wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges auf dem amerikanischen Subkontinent entstanden. Es handelte sich hier um ein zivilgesellschaftliches Engagement zugunsten der Vorstellung Frankreichs, wie es de Gaulle verstand – als eines Ensembles von Werten – gegen die scheinbar ‚realpolitische‘ Option Vichys.14 De Gaulle knĂŒpfte daran an, als er 1964 Mexiko und dann auch Mittel- und SĂŒdamerika bereiste und die ‚LatinitĂ€t‘ Amerikas beschwor, was nach Lepenies jedoch „ohne politische Wirkung“ (55) blieb. Ich bin aber nicht sicher, dass Lateinamerika Frankreich „vollkommen fremd“ (55) war. Das wĂŒrde sicher fĂŒr Brasilien so nicht gelten. Wenn nach 1815 der wirtschaftliche Einfluss Großbritanniens in Brasilien dominant wurde, so sollte diese Dominanz durch kulturelle AktivitĂ€t der Franzosen ausgeglichen werden. So war eine große Anzahl der in der Restaurationszeit nicht mehr genehmen Mitglieder der Pariser AcadĂ©mie des Beaux-Arts nach Brasilien ausgewandert, wurde dort mit dem Aufbau einer eigenen Kunstakademie betraut und fĂŒhrte den neoklassischen Stil ein. Auch die brasilianische Flagge wurde von einem Franzosen der Akademie, Jean-Baptiste Debret, entworfen. Nachhaltig war bei der GrĂŒndung der Republik 1889 der positivistische Einfluss Victor Cousins, dessen Motto ‚Ordem e Progresso‘ danach auf der brasilianische Flagge Platz fand15. FĂŒr das zwanzigste Jahrhundert ist daran zu erinnern, dass neben Levi-Strauss auch Braudel und Foucault in Brasilien forschten und lehrten. Der brasilianische StaatsprĂ€sident Fernando Enrique Cardoso hatte vorher an der UniversitĂ€t Nanterre gelehrt.

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Im vorliegenden Buch geht es indes weniger um intellektuelle als um politische Beziehungen. Die werden dann auch sehr kenntnisreich hinsichtlich von Mitterands ‚Sozialismus des SĂŒdens‘ dargestellt. Kernpunkt des Streites zwischen der von Mitterand angefĂŒhrten PS und der SPD war das VerhĂ€ltnis zur Kommunistischen Partei. Die französischen Sozialisten und ihre Genossen des ‚SĂŒdens‘ waren zu einer Zusammenarbeit mit der Kommunistischen Partei bereit, was die SPD strikte ablehnte. Man wird hier nicht vergessen, dass die KPF durch ihr Engagement im Widerstand an LegitimitĂ€t gewonnen hatte, war sie doch 1945 mit 26 Prozent der angegebenen Stimmen zur stĂ€rksten Partei Frankreichs geworden. Die Bundesrepublik befand sich an der Nahtstelle zum Ostblock und die 1968 gegrĂŒndete KPD war eine Kleinpartei, die nicht ĂŒber 0,3 Prozent der Stimmen hinaus kam. Die Kommunistischen Parteien Frankreichs, Spaniens und Italiens hatten sich ĂŒberdies erneuert und lehnten den FĂŒhrungsanspruch der Sowjetischen KP ab16, was bei der DKP nicht der Fall war. Mitterand verfolgte wohl der KPF gegenĂŒber eine Ă€hnliche Strategie wie de Gaulle, der auch Vertreter der KPF in seine erste Nachkriegsregierung aufgenommen hatte: „Il faut les noyer dans le pouvoir.“

Die geopolitische Situation hatte sich nach 1989 radikal verĂ€ndert. Das VerhĂ€ltnis zwischen Frankreich und Deutschland beruhte vorher im Gleichgewicht zwischen der ökonomischen Vormacht Deutschlands und der politischen FĂŒhrungsrolle Frankreichs. Nun verschob sich das Zentrum Europas gegen Osten und das vereinte Deutschland ĂŒbernahm die politische FĂŒhrungsrolle. FĂŒr Lepenies war es bezeichnend, dass Bernard-Henry LĂ©vy in der ersten Nummer seiner 1990 gegrĂŒndeten Zeitschrift La RĂšgle du Jeu unter dem Titel „L’Empire Latin“ einen Teilabdruck von KojĂšves Memorandum von 1945 brachte, das kritisch kommentiert wurde.17 Nach Alain Minc konnte nur eine ‚Lateinische Föderation‘ eine Antwort auf ein von Deutschland bestimmtes Kontinentaleuropa sein.

Wenn schon Mitterand und Chirac daran dachten, die Mittelmeerpolitik Frankreichs zu verstĂ€rken, so versuchte erst Sarkozy, dieser SĂŒdpolitik einen institutionellen Rahmen in Gestalt einer Mittelmeerunion zu geben. Die Kraftlinien dieses Projektes werden im Buch detailliert vorgestellt. In einer Rede des PrĂ€sidentschaftskandidaten in Toulon im Februar 2007 stimmte dieser eine Hymne auf den Mittelmeerraum an als dem Scharnier unterschiedlicher Kulturen. Auffallend sei der große Raum gewesen, den er der arabischen Zivilisation und dem Islam gab, indem er die EuropĂ€er „Kinder CĂłrdobas und Granadas nannte, Kinder der arabischen Gelehrten, die uns das Erbe des antiken Griechenlands ĂŒbermittelt und es bereichert haben“ (72). Nicht nur die Vergangenheit, auch die Zukunft Europas liege im SĂŒden. Sarkozy sei es dabei auch im die Stimmen der Algerienfranzosen gegangen. Die Idee der Mittelmeerunion stammte von seinem Berater Henri Guaino, einem Links-Gaullisten, der aus dem SĂŒden stammte.

Man darf dabei aber nicht vergessen, dass Sarkozy mit Patrick Buisson auch einen rechten, ja sehr rechten ‚Schutzengel‘ hatte, ein Bewunderer von Maurras, der fĂŒr eine vereinte Rechte unter Einschluss des Front National plĂ€dierte. Von diesem stammte ein anderes Projekt von Sarkozy, das zum ersteren im Widerspruch stand, das Vorhaben, ein Ministerium der Einwanderung und der nationalen IdentitĂ€t zu schaffen.18 Sarkozy instrumentalisierte in geschickter Weise das Konzept der nationalen IdentitĂ€t, das er mit Beispielen aus der Vergangenheit unterfĂŒtterte, fĂŒr eine Strategie einer gelenkten Einwanderung. Die nationale IdentitĂ€t sah er gleichzeitig gefĂ€hrdet durch die ‚clandestins‘ und durch den Kommunitarismus. Die negativen Beispiele, die nicht mit der ‚nationalen IdentitĂ€t‘ vereinbar seien, bezogen sich in seinen Reden ausschließlich auf Praktiken der islamischen Religion. Die Schaffung eines „MinistĂšre de l’Immigration et de l’IdentitĂ© nationale“ wurde wohl von 88 Prozent der WĂ€hler des Front National gutgeheißen, jedoch nur ein Prozent der WĂ€hler, die sich zum Islam bekannten, gab an, fĂŒr Sarkozy gestimmt zu haben. Das war weit weg von Loblied auf die „Kinder CĂłrdobas“.

Die Ambitionen, die Sarkozy außenpolitisch mit der Mittelmeerunion verband, waren kĂŒhn. Sie sollten zu den FriedenbemĂŒhungen zwischen Israel und den PalĂ€stinensern beitragen.19 Deutschland widersetzte sich dem Plan, die Union nur den Anrainern des Mittelmeers vorzubehalten. Aus der geplanten Parallelinstitution der EU wurde eine ‚Union fĂŒr das Mittelmeer‘ unter der Ägide der EU. Das Konzept einer ‚variablen Geometrie‘ innerhalb der EU, fĂŒr das SchĂ€uble und Lamers plĂ€diert hatten, sei so „von einer CDU-Kanzlerin zu Fall gebracht“ worden (80). „Warum also mussten alle EU-LĂ€nder Mitglieder der Mittelmeerunion werden?“, fragt Lepenies mit Bedauern ĂŒber das Scheitern der Initiative. „Warum konnte diese Initiative nicht vertrauensvoll den SĂŒdlĂ€ndern ĂŒberlassen werden?“ (80).

Lepenies sieht als intellektuellen Hintergrund der Mittelmeerorientierung Sarkozys Braudels magistrales Werk La MĂ©diterranĂ©e et le monde mĂ©diterranĂ©en Ă  l’époque de Philippe II (1949), das die Geschichtsschreibung verĂ€ndert und ein Bild vom Mittelmeer geprĂ€gt hat, das bis heute wirksam ist. Es wird darauf hingewiesen, dass Braudel wohl aus Lothringen stammte, aber neun Jahre in Algier lehrte. Wichtig war aber auch sein Aufenthalt in Brasilien. Die Erfahrung dieses immensen Landes trug dazu bei, wie er sagte, „die Zeit in Raum“ zu verwandeln. Entscheidend war auch die Begegnung mit Lucien Febvre auf dem Schiff, das die beiden 1937 aus Lateinamerika zurĂŒckbrachte; Febvre schlug dann auch die entscheidenden Vorgaben zu Braudels Mittelmeerbuch vor. Das Werk realisierte das Projekt einer „gĂ©o-histoire“, die zwischen drei Zeitlichkeiten unterschied, zunĂ€chst die geographische Zeit, eine fast stillstehende Geschichte des Milieus und der wiederkehrenden PhĂ€nomene, dann die soziale Zeit der ökonomischen Entwicklung, die Geschichte der Staaten und der Kontakte zwischen den Zivilisationen und schließlich, „an der OberflĂ€che“, die Ereignisgeschichte. Braudel antwortete so auch dem Vorwurf von LĂ©vi-Strauss, die Geschichtswissenschaft sei unfĂ€hig, die Tiefenstrukturen zu erfassen, die eine Gesellschaft letztlich bestimmten. Die Historiker ĂŒberwand mit seinem Konzept der „longue durĂ©e“ die Kluft zwischen Sozial- und Geschichtswissenschaften.20 Über die Strukturgeschichte war der Raum zu einer neuen wichtigen Kategorie geworden, was vielleicht auch die Resonanz erklĂ€rt, die das Konzept des Mittelmeers als Raum nun fand.

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Wolf Lepenies hat mit seinem Buch Die Macht am Mittelmeer in sehr umfassender Weise einen Subtext der französischen Geschichte sichtbar gemacht, der letztlich nie so dominant war, dass er in eine Allianz der lateinischen LĂ€nder SĂŒdeuropas mĂŒndete, der aber als historisches Unbewusstes immer wieder auftaucht. Es handelt sich hier um ein Ă€ußerst komplexes PhĂ€nomen, einerseits um die rĂ€umlich bestimmte Mittelmeer-Idee, die von den geographischen Bedingungen her eine Gemeinsamkeit ableitet, die sich in analogen agri-kulturellen und kulturellen Praktiken in einem weiteren Sinn manifestiert60, und gleichzeitig geopolitische Strategien anregen kann, andererseits geht es um die LatinitĂ€tsidee, die mit dem Katholizismus in Verbindung gebracht wird, die nur eine Minderheit der Anrainerstaaten des Mittelmeers bestimmt (hat). Beide PhĂ€nomene manifestierten sich in verschiedenster Form als Stereotypen, als Zuschreibungen, als Konstrukte, aber auch als systematische Reflexionen und politische Strategien. Diese komplexe Gemengelage aufgezeigt zu haben, ist das unbestreitbare Verdienst des Buches von Wolf Lepenies.

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Volltext erscheint als: Joseph Jurt, „Ein Subtext Frankreichs: Mittelmeeridee, LatinitĂ€t und Katholizismus. Zu Wolf Lepenies, ‚Die Macht am Mittelmeer‘“, Romanische Studien 4 (2016).


  1. Wolf Lepenies, Die drei Kulturen: Soziologie zwischen Literatur und Gesellschaft (MĂŒnchen: Carl Hanser, 1985).↩
  2. Wolf Lepenies, Sainte-Beuve: auf der Schwelle zur Moderne (MĂŒnchen: Carl Hanser, 1997).↩
  3. So etwa unlĂ€ngst der Hinweis auf den Ökonomen Jacques Sapir, der eine Anti-Europa-Front in Frankreich vorschlug, die die radikale Linke und die Ă€ußerste Rechte umfassen sollte, Die Welt, 12. September 2015.↩
  4. „Opfer des eigenen Erfolgs: Wolf Lepenies ĂŒber die verblassende deutsch-französische Freundschaft“, Die Woche, 6. August 1999, 8.↩
  5. Giorgio Agamben, „Que l’Empire latin contre-attaque!“, LibĂ©ration, 24. MĂ€rz 2013.↩
  6. „Giorgio Agamben im GesprĂ€ch: Die endlose Krise ist ein Machtinstrument“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. Mai 2013.↩
  7. Ebenda. Agamben, der von Hause aus Jurist ist kritisierte gleichzeitig die mangelnde legitime Fundierung der EU, die nicht auf einer Verfassung beruhe. UnlĂ€ngst kritisierte er auch die VerlĂ€ngerung des Ausnahmezustandes in Frankreich. Giorgio Agamben, „De l’Etat de droit Ă  l’Etat de sĂ©curitĂ©â€œ, Le Monde, 23. Dezember 2015.↩
  8. Auch Karlheinz Stierle kam in seinem Vortrag anlĂ€sslich des Romanistentages 2013 auf Agambens Intervention zurĂŒck. So problematisch dessen Thesen im einzelnen sein mögen, so fĂŒhrte er aus, „sie treffen sich mit einer romanistischen GrundĂŒberzeugung von der tiefgreifenden Einheit der romanischen Welt. Dass auch das kulturelle Deutschland nicht ohne Zusammenhang mit dieser romanischen Welt gedacht werden kann und dass ihrer Vermittlung eine wesentliche politische Aufgabe liegt, gehört zu ihren GrundĂŒberzeugungen.“ Karlheinz Stierle, „Romanistik als Passion“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. September 2013.↩
  9. RenĂ© RĂ©mond, „ContinuitĂ©, rupture ou nouveautĂ©: la place de ces annĂ©es dans l’histoire gĂ©nĂ©rale des relations entre la France et l’Allemagne“, Cahiers de l’Institut d’Histoire du temps prĂ©sent 13–14 (Dezember 1989–Januar 1990): 305.↩
  10. Pierrre Mailland, „La politique du GĂ©nĂ©ral de Gaulle Ă  l’égard de l’Allemagne 1945–1965) – continuitĂ© et discontinuitĂ©â€œ, in Joseph Jurt, Hrsg., Von der Besatzungszeit zur deutsch-französischen Kooperation (Freiburg: Rombach, 1993), 56–7; siehe dazu auch Pierre Maillard, De Gaulle et l’Allemagne: le rĂȘve inachevĂ© (Paris: Plon, 1990).↩
  11. Frank R. Pfetsch, „Die französische Verfassungspolitik in Deutschland nach 1945“, in Joseph Jurt, Hrsg., Von der Besatzungszeit zur deutsch-französischen Kooperation (Freiburg: Rombach, 1993), 88–109.↩
  12. Rainer Hudemann, „Die BesatzungsmĂ€chte und die Entstehung des Landes Baden-WĂŒrttemberg“, in Baden-WĂŒrttemberg und der Föderalismus in der Bundesrepublik Deutschland (1949–1989), hrsg. von Meinrad Schaab und Gregor Richter (Stuttgart: Kohlhammer, 1991), 7; zum Engagement der Intellektuellen fĂŒr ein ‚neues Deutschland‘ siehe Martin Strickmann, ‚L’Allemagne nouvelle contre l’Allemagne Ă©ternelle‘: die französischen Intellektuellen und die deutsch-französische VerstĂ€ndigung 1944–1950 (Frankfurt a.M.: Peter Lang, 2004), 382–6.↩
  13. Nach Markus Göldner soll indes die blaue Europa-Fahne mit dem Sternenkranz einer marianischen Symbolik entsprechen (Markus Göldner, Politische Symbole der europĂ€ischen Integration (Frankfurt a.M.: Peter Lang, 1988).↩
  14. Siehe dazu Joseph Jurt, „Bernanos au BrĂ©sil et la France libre“, in Monique Gosselin-Noat, Hrsg., Bernanos et le BrĂ©sil (Lille: Roman 20–50, 2007), 11–28.↩
  15. Siehe dazu Joseph Jurt, „Le BrĂ©sil: un Etat-nation Ă  construire. Le rĂŽle des symboles nationaux: de l’empire Ă  la rĂ©publique”, Actes de la recherchĂ© en sciences sociales, Nr. 201–202, MĂ€rz 2014), 44–57. Zu den Beziehungen zwischen Frankreich und Brasilien Ă€ußert sich Lepenies 157–158 in seinem Buch.↩
  16. Siehe dazu Adolf Kimmel, Hrsg., Eurokommunismus (Köln und Wien: Böhlau, 1989.↩
  17. Man darf allerdings die Zeitschrift und auch BHL nicht ĂŒberbewerten. La RĂšgle du Jeu spielt in den intellektuellen Debatten nicht eine große Rolle; sie wird in Jacques Julliard und Michel Winock, Dictionnaire des intellectuels français (Paris: Seuil 1997) nicht einmal aufgefĂŒhrt. Zu BHL siehe Jan Christoph Sutrup, Formenwandel der französischen Intellektuellen. Eine Analyse ihrer gesellschaftlichen Debatten von der LibĂ©ration bis zur Gegenwart (Berlin: LIT Verlag, 2010), 372–82: „‚BHL‘ – neuer Malraux oder ‚Rambo-Rimbaud‘?“↩
  18. Siehe dazu GĂ©rard Noiriel, A quoi sert ‚l’identitĂ© nationale‘ (Marseille: Agone, 2007), 81–114.↩
  19. Sehr aufschlussreich sind in diesem Kontext die im Buch vorgestellten, wenig bekannten Hinweise von Hannah Arendt auf das Projekt einer Mittelmeerföderation als einer Art Commonwealth als Rahmen fĂŒr die Lösung der PalĂ€stinafrage (81–7).↩
  20. Fernand Braudel, „Histoire et sciences sociales: la longue durĂ©e“, Annales 13 (1958): 725–53.↩Ill.: UFM Member States
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